Als Anfang Januar Sturmtief Elli über Deutschland zog, versank das Land gefühlt im Ausnahmezustand: Sturm, Glätte, Frost. Schulen wurden vorsorglich geschlossen, viele wechselten ins Homeoffice. Und ich dachte mir nur:
»Perfekt – da gehe ich vor der Arbeit noch fotografieren.«
Es ist selten, dass in Halle (Saale) – meiner Heimatstadt – so viel Schnee fällt. Und noch seltener, dass er auch liegen bleibt. Bis weit in den Februar hinein zeigte sich die Stadt von ihrer ungewohnt winterlichen Seite. Für mich war schnell klar: Daraus wird mein persönliches Fotoprojekt.

Während ich diese Zeilen schreibe, schwirrt ein fast zehn Jahre alter Ohrwurm von Andreas Bourani durch meinen Kopf, der erstaunlich gut zu diesem Projekt passt:
»Ich heb’ ab, nichts hält mich am Boden
Alles blass und grau
Bin zu lange nicht geflogen«
Denn genau das war der Plan: nicht am Boden bleiben. Die schönsten Fotospots von Halle (Saale) im Schnee habe ich bereits vor einigen Jahren vom Boden aus fotografiert. Dieses Mal sollte es hoch hinaus gehen: mit der Drohne.
Also habe ich meine DJI Mini 5 Pro geschnappt und bin losgezogen losgeflogen.
Mit der Drohne über Halle (Saale) im Schnee
An jedem Schneetag war ich vor und nach der Arbeit mit dem Fahrrad in eisiger Kälte unterwegs. Meine Mission: Halle aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven von oben festzuhalten.

Dabei sind mehrere hundert Fotos entstanden, von denen ich hier nur eine kleine Auswahl zeigen kann. Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr sich der Charakter einer vermeintlich „grauen“ Stadt verändert, wenn eine geschlossene Schneedecke plötzlich Ruhe, Struktur und Kontraste in das Stadtbild bringt.
Die Pauluskirche im Herzen des Paulusviertels
Beginnen wir direkt vor meiner Haustür. Wie eine mittelalterliche Burg erhebt sich die zwischen 1900 und 1903 erbaute evangelische Pauluskirche im Zentrum des Rathenauplatzes im Paulusviertel.

Aus der Luft wird besonders deutlich, wie dominant und gleichzeitig harmonisch sich das Gebäude in die umliegende Wohngebäude einfügt.
Die Rente ist nicht sicher – das Gebäude aber wunderschön
Direkt gegenüber, nur wenige Meter entfernt, befindet sich die Verwaltung der Deutschen Rentenversicherung. Der Gebäudekomplex erinnert stark an die Form einer Libelle. Voll cool! Ich bin mir sicher, dass nur die wenigsten Hallenser dieses Gebäude jemals aus dieser Perspektive gesehen haben.

Der Riebeckplatz als Verkehrsdrehscheibe
Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit passiere ich den Riebeckplatz. Ein Ort, den viele nur als funktionalen Verkehrsknoten wahrnehmen. Doch gerade aus der Luft zeigt sich, wie beeindruckend die Dimensionen dieser Verkehrsdrehscheibe eigentlich sind.

Der Schnee verstärkt dabei die grafische Wirkung der Straßenführungen und macht die Struktur des Platzes besonders gut sichtbar.
Der Güterbahnhof an der Berliner Brücke
Wenn man vom Riebeckplatz nach links blickt, sieht man den Hauptbahnhof. Vorgelagert fällt sofort die Berliner Brücke ins Auge. Sie überspannt einen der modernsten Güterbahnhöfe Europas und der liegt mitten in Halle (Saale)!

Hier wurden rund 43 Kilometer Gleise neu verlegt, sodass täglich bis zu 2.400 Waggons abgefertigt werden können. Irre, oder?
Die Marktkirche – das Wahrzeichen der Stadt
Natürlich darf die zentrale Sehenswürdigkeit der Stadt nicht fehlen: die Marktkirche Unser Lieben Frauen, auch Marienkirche genannt.
Sie zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Bauwerken der Renaissancezeit in Mitteldeutschland und gehört für mich zu jedem Fotoprojekt über Halle einfach dazu. Besonders im Schnee entfaltet sie eine ganz eigene, fast zeitlose Atmosphäre.

Die Moritzburg
Als Landschaftsfotograf üben Burgen schon immer eine besondere Faszination auf mich aus. Umso besser, dass man auch dafür in Halle nicht lange suchen muss.

Die Moritzburg, eine rekonstruierte Burganlage mit Museum, liegt nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt. Selbstverständlich durfte auch hier ein Drohnenstopp nicht fehlen.
Das ehemalige Gasometer – heute das Planetarium Halle
Wer der Saale folgt, entdeckt schnell weitere spannende Motive. Mit dem Fahrrad ging es für mich weiter entlang des Flusses, der wie eine Lebensader durch die Stadt verläuft.
Am Holzplatz befindet sich das ehemalige Gasometer, das 2023 als das neue Planetarium Halle eröffnet wurde. Ein gelungenes Beispiel dafür, wie historische Industriearchitektur eine moderne neue Nutzung finden kann.

Die Saale als Eiskanal
Durch die anhaltenden zweistelligen Minusgrade verwandelte sich die Saale stellenweise in ein beeindruckendes Schauspiel aus treibenden Eisschollen. Mir sind an diesen Tagen regelmäßig die Finger beim Halten der Fernbedienung eingefroren 😉

Aber nützt ja nichts. Es ist ein Anblick, den man in dieser Form nur selten erlebt und der aus der Luft noch einmal deutlich spektakulärer wirkt als vom Ufer aus.
Das bezaubernde Giebichensteinviertel
Folgt man der Saale weiter nach Norden, erreicht man das Giebichensteinviertel, wo ich selbst viele Jahre gelebt habe. Für mich ist dieser Stadtteil bis heute mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden.
Zwischen Bergzoo und Saale gelegen, entfaltet das Viertel besonders zur Blauen Stunde eine fast schon melancholische Atmosphäre.

Seinen Namen verdankt das Viertel der Burg Giebichenstein, die oberhalb der Saale thront und das Stadtbild in diesem Bereich prägt.

Wenn die Nacht über die Stadt zieht
Wie man auf den Bildern erkennen kann, werden die Aufnahmen im weiteren Verlauf immer dunkler. Die Nacht kündigte sich an – ein klares Zeichen dafür, dass die Bürotage mal wieder länger waren als geplant.
Die Petruskirche in Kröllwitz
Den Abschluss dieser kleinen Winterserie bildet für heute die Petruskirche im gegenüberliegenden Stadtteil Kröllwitz.

Von hier aus endet mein winterlicher Drohnenflug über Halle (Saale) im Schnee – zumindest für diesen Beitrag.
Weitere Aufnahmen dieses Projekts findest du in meiner Galerie Halle (Saale) im Schnee.
Fazit
Wenn dich solche Drohnenaufnahmen aus Halle (Saale) interessieren, dann folge gern meinem Blog. Im nächsten Beitrag wartet bereits das nächste Projekt: Halle (Saale) zur Blauen Stunde – ebenfalls aus der Luft, mit den besten Aufnahmen aus über 50 Drohnenflügen über den Dächern der Stadt.
Vielleicht ist dieser Beitrag auch eine kleine Inspiration für dich: Schau doch einmal bewusst auf deine eigene Stadt oder unmittelbare Umgebung. Oft sind es genau die Orte, die wir täglich sehen, die wir irgendwann kaum noch wahrnehmen.
Manchmal braucht es nur einen Perspektivwechsel, um sich neu in die eigene Stadt zu verlieben.
Hinterlasse eine Nachricht