In mei­nem letz­ten Blogbeitrag habe ich spon­tan zu einer Aktion auf­ge­ru­fen, in der ich Bilder ande­rer Fotografen bear­bei­ten woll­te. Es freut mich, dass die­se Idee so gut bei euch ange­kom­men ist und ihr mir zahl­rei­che Fotos geschickt habt. Drei habe ich aus­ge­wählt und ste­he nun vor der Herausforderung: Wie erklärt man Bildbearbeitung in einem Blogbeitrag? Ich ver­su­che es ein­fach mal.

Bild 1: Lefrak Point Lighthouse

Bereits weni­ge Minuten nach­dem mein Blogbeitrag online war, kam die ers­te Einreichung: Und was für eine! Danke Peter, dein Bild sieht schon im RAW-Format groß­ar­tig aus.

Fotograf: Peter Praum
https://www.instagram.com/eifelbaer77/

EXIF: Sony a7Riii – 16 mm – f/14 mit 242 Sekunden bei ISO 100 (RAW, out-of-cam)

Der fotografische Teil

Schauen wir uns zunächst den Bildaufbau an […] und meckern. Sorry Peter, bit­te nicht per­sön­lich neh­men. Der Horizont liegt ziem­lich mit­tig, was immer ein wenig mono­ton wirkt. Das Bild braucht Dramatik! Doch wo setzt man den Schwerpunkt?

Die Belichtungszeit liegt dank ND-Filter bei über vier Minuten. Das Wasser vom Hudson River wäre aber schon bei 30 Sekunden weich genug gewe­sen. Aber die zie­hen­den Wolken nicht und genau sie ver­lei­hen dem Bild die Dramatik. Also soll­te hier auch der Schwerpunkt im Bildausschnitt lie­gen. Dem Himmel wür­de ich 2/3 vom Bild spen­die­ren, dem Vordergrund 1/3. Da es ein klas­si­sches Panorama ist, wür­de ich sogar ins 16:9-Format wech­seln und Teile der Skyline auf dem »lang­wei­li­gen« lin­ken Teil abschnei­den. Etwa so:

Die RAW-Entwicklung

Die Frage ist nun: wie bear­bei­tet man ein sol­ches Foto? Dem Bild fehlt es an Farbigkeit, obwohl es zur Goldenen Stunde auf­ge­nom­men wur­de. Die Sony A7RIII bie­tet aber genug Reserven, um die Farben wie­der ins Bild zu zau­bern. Dafür hat sich Peter Praum in sei­ner Bearbeitung ent­schie­den.

Für mich schreit es eher nach einer klas­si­schen Schwarz-Weiß-Umsetzung. Mein ers­ter Gedanke ging in Richtung Fine-Art-Architekturfotografie. Daran habe ich mich fünf Minuten in Lightroom ver­sucht. Hier das Ergebnis mei­ner RAW-Entwicklung im Vorher-Nachher-Vergleich:

Die finalen Details in Photoshop

Nach der RAW-Entwicklung ver­brin­ge ich meist noch ein paar Minuten in Photoshop, für die letz­ten Details. So muss z.B. die Möwe wei­chen, die in der Unschärfe der Langzeitbelichtung unten rechts auf dem Steg sitzt. Ein wenig mehr Kontrast kann das Bild eben­falls ver­tra­gen (Tonal Contrast in den Nik-Filtern). Mit dem Pinsel ver­brin­ge ich dann noch zwei Minuten mit Dodge & Burn, um das Wasser im Mittelgrund auf­zu­hel­len, die Wolken abzu­dun­keln und ein wenig Highlights zu set­zen. Insgesamt sind es nur sub­ti­le Änderungen, hier ist das fina­le Bild.

Gesamte Bearbeitungszeit: 19 Minuten

Bild 2: Der Obersee

Für das zwei­te Bild wech­seln wir von den USA in die Berchtesgadener Alpen in Oberbayern. Genauer gesagt an den Obersee, den ich im Mai eben­falls besucht habe (sie­he Blogbeitrag).

Fotograf: Benjamin Prüfer
https://www.instagram.com/benomatography/

EXIF: Nikon D7200 – 12 mm – f/8 mit 6 Sekunden bei ISO 100 (RAW, out-of-cam)

Der fotografische Teil

Ich schaue mit­tig auf den Obersee. Nichs los. Hmm. Rechts quetscht sich das herr­li­che Bootshaus ins Bild, dar­auf schaue ich im zwei­ten Moment. Beides weckt zu wenig Emotionen. Wo soll ich zuerst hin­gu­cken? Ein wenig beschnei­de ich das Bild, um das Bootshaus mehr in die Drittelregel zu drän­gen. Glücklich bin ich mit dem Bildaufbau aber nicht. Zudem fehlt der Vordergrund, der dem Bild Tiefe ver­lei­hen wür­de. Gut geeig­net wären der Stein unten rechts oder die gel­be Blume, wenn die Kamera näher dran gewe­sen wäre.

Unverständlich ist für mich auch die Belichtungszeit von 6 Sekunden, die weder Fisch noch Fleisch ist. Obwohl reich­lich Fisch im Wasser wäre, der Obersee aber auch ohne Langzeitbelichtung iden­tisch glatt gewe­sen wäre. Für die Wolken war die Belichtungszeit wie­der­um zu kurz, um sie zie­hen zu las­sen, wie im Foto von Peter Praum. Das Einzige was dadurch unscharf gewor­den ist, sind die Blätter der Bäume: Schade Benjamin.

Die RAW-Entwicklung

Das Bild ist laut Histogramm gut belich­tet. Die Wolken sind auf­grund der lan­gen Belichtungszeit den­noch ein wenig aus­ge­brannt, was bei Nikon-Kameras aber pro­blem­los zu ret­ten ist. Die Luminanz der Blautöne habe ich gesenkt, dadurch wird der Himmel kon­trast­rei­cher. Was mich stört ist das vie­le Grün im Bild. Sorry, die Realität ist manch­mal schwer zu ertra­gen. In den HSL-Farbeinstellungen habe ich daher eine Verschiebung in Richtung Gelb vor­ge­nom­men. Um die feh­len­de Tiefe zu ret­ten, habe ich den Vordergrund ein wenig abge­dun­kelt. Den Obersee selbst habe ich auf­ge­hellt, um den Blick dar­auf zu len­ken. Hier der Vorher-Nachher-Vergleich:

Die finalen Details in Photoshop

In Photoshop zie­he ich ein paar Minuten an den Reglern der Nik-Collection. Plötzlich habe ich den Indian-Summer-Filter ein­ge­stellt und es ist Herbst 🙂 Hat zwar mit dem ursprüng­li­chen Foto nichts mehr zu tun, aber ver­ges­sen wir das bit­te für einen Moment. Danach folgt das übli­che Abwedeln und Nachbelichten auf einer sepa­ra­ten Ebene (Dodge & Burn). Hier das fina­le Ergebnis:

Gesamte Bearbeitungszeit: 14 Minuten

Bild 3: DJ CRAFT in der bunten Republik Neustadt

Das letz­te Bild hat mir Sebastian aus Dresden geschickt. Es passt gera­de ganz gut zur Situation, denn wäh­rend ich hier um 01:43 Uhr den Blogbeitrag vor Heilig Abend schrei­be, ist der Rest der (jun­gen) Bevölkerung sicher gera­de fei­ern im Club.

Fotograf: Sebastian Haupt
www.instagram.com/authentik_basti

Der fotografische Teil

Der Bildaufbau gefällt mir gut. Der Blick über die Schulter funk­tio­niert also nicht nur bei Landschaftsbildern 😉 Vermutlich war die Kamera sehr dicht an DJ Craft dran, was die Unschärfe auf sei­nem Rücken und dem Basecap erklärt. Der Nebel bil­det einen schö­nen Rahmen zur rocken­den Crowd, um mich mal ver­bal ans jun­ge Publikum anzu­pas­sen. Den Kollegen rechts im Bild wür­de ich raus­schnei­den, ansons­ten aber nichts am Bildaufbau ändern.

Die RAW-Entwicklung

In Lightroom star­te ich mit dem Weißabgleich, den ich dank RAW-Format ver­lust­frei kor­ri­gie­ren kann. Er scheint mir zwar tech­nisch kor­rekt zu sein, aber in mei­ner Vorstellung sind Auftritte im Club meist dunk­ler, daher kor­ri­gie­re ich ein wenig in Richtung Blautöne. Das Publikum geht dabei ein wenig unter, was zum Teil an den stark beleuch­te­ten Hauttönen vom DJ liegt. Ich redu­zie­re die Lichter und dunk­le gleich­zei­tig die lin­ke Seite im Bild mit einem Verlaufsfilter ab. Da ich die gan­ze Zeit auf das Verkehrsschild im Publikum schaue, was auf Gegenverkehr hin­weist, redu­zie­re ich auch hier die Lichter, ana­log zu den wei­ßen Monitorscheinwerfern am DJ-Pult. Hier der Vorher-Nachher-Vergleich der RAW-Entwicklung:

Die finalen Details in Photoshop

Photoshop ver­wen­de ich immer dann, wenn noch Retuschen im Bild not­wen­dig sind, die in Lightroom zu fum­me­lig wären. So ent­fer­ne ich z.B. die Reste des Fotografen am rech­ten Bildrand. Um den Blick mehr in den Nebelrahmen des Publikums zu len­ken, knip­se ich die bei­den Discokugeln an. Wer kennt noch den alten Trick mit dem Filter »Kunststofffolie« auf einer schwar­zen Ebene im Modus nega­tiv Multiplizieren? Calvin Hollywood, das waren noch Zeiten.

Ganz mini­mal erhö­he ich noch die Details im Publikum, damit man die Arme bes­ser sieht (Detail Extractor in der Nik-Collection). Mit ein wenig Fleiß könn­te ich jetzt noch zusätz­li­chen Nebel am lin­ken Bildrand malen, um die schwar­ze Lücke zu fül­len. Im Hinblick auf Uhrzeit und die Tatsache, dass mor­gen Weihnachten ist, ver­zich­te ich aber dar­auf. Hier mein fina­les Bild:

Gesamte Bearbeitungszeit: 9 Minuten

Fazit

Hat Spaß gemacht! Danke für die Beteiligung an mei­ner Aktion, auch an die­je­ni­gen des­sen Bilder es lei­der nicht in mei­nen Blogbeitrag geschafft haben. Es hat nichts mit der Qualität eurer Fotos zu tun, mei­ne Zeit ist ein­fach nur begrenzt. Ich hof­fe mei­ne Herangehensweise war für den ein oder ande­ren den­noch nütz­lich.

Schreibt mir doch mal wel­ches Bild euch am bes­ten gefal­len hat. Und wenn ihr in Zukunft mehr sol­cher Aktionen haben wollt, dann ist die Kommentarfunktion auch hier ein dank­ba­res Feedback-Medium 😉

Frohe Weihnachten für euch alle!