Es ist das große Finale unserer Alpenüberquerung. Vor sieben Tagen sind wir am Königssee gestartet und stehen jetzt mitten in den Dolomiten. Irgendwie schade, dass die Tour heute zu Ende geht. Drum lasst uns diesen letzten Beitrag noch einmal richtig genießen.
Nach einer ruhigen Nacht in Zimmer 17 blicken wir dem morgendlichen Alpenglühen entgegen.

Es ist kurz nach Sieben und in der Dreischusterhütte herrscht bereits Hochbetrieb. Alle Türen sind offen. Überall sind Wanderer, die ihre Rucksäcke packen und durchs Treppenhaus hinunter zum Frühstück stampfen.
Wir skippen das Frühstücksbuffet und wählen die schnelle Variante: Bereits gestern haben wir belegte Brötchen vorbestellt, die wir jetzt nur noch abholen müssen. Und die Dinger haben es in sich! Mein Schinkenbrötchen war mit ca. 56 Scheiben belegt, kein Spaß! Es waren locker 2cm Wursthöhe. Für geschmeidige 4,50 € ein verhältnismäßig guter Deal.
Aufbruch zu den Drei Zinnen
Gegen 8 Uhr verlassen wir die Hütte. Und plötzlich kommen echte E5-Vibes auf. Es fühlt sich an wie bei unserer Alpenüberquerung im letzten Jahr: von Oberstdorf nach Meran.

Zum ersten Mal müssen wir keine Wanderschilder mehr lesen, denn verlaufen kann man sich hier nicht. Wir folgen einfach der Traube von Wanderern vor uns.

Die Zackigkeit der Dolomiten ist übrigens sehr beeindruckend. Das ist eine ganz andere Bergwelt als die, die wir in den vergangenen Tagen durchkämmt haben. An jeder Ecke zücke ich meine Kamera. Hier könnte ich den ganzen Tag fotografieren.

»Jungs, wartet mal, das sieht mega aus!«, rufe ich. Zeit für ein Gruppenfoto. Ich aktiviere dafür immer die Serienbildaufnahme der Kamera, bei der alle zwei Sekunden ein Foto geschossen wird. Das ist im Bildarchiv immer witzig, wenn man dann sieht, wie man versucht, schnell genug ins Bild zu rennen 🙂

Zumindest sind die Beine nun aufgewärmt. Vor uns liegen etwa 1.000 Höhenmeter im Aufstieg zu den Drei Zinnen. Es ist erstaunlich, wie gut man sich an die täglichen Distanzen gewöhnt. Der Rucksack ist schwer wie immer, aber es macht einem deutlich weniger aus, als zu Beginn der Tour. Also rauf mit uns!
Die gut ausgebauten Wanderwege führen uns zielsicher der Sonne entgegen.

Entlang der Strecke überholen wir zahlreiche Wanderer, die mit uns auf der Dreischusterhütte übernachtet haben. Es ist ein bunter kultureller Mix. Die Mehrheit von ihnen sind asiatische Touristen, vor allem aus Südkorea.
»Woher kommst du? Where are you from?«, möchte Mario wissen. »Tokio.«
Japans hektische Hauptstadt ist also ebenfalls vertreten. Südtirol ist Kult. Zahlreiche Fernsehsendungen und Social-Media-Formate machen die Dolomiten zum Traum-Reiseziel.

Und je höher wir kommen, desto faszinierender wird die Landschaft. Besonders spannend sind die extremen Kontraste zwischen den nahezu senkrechten Felswänden und den sanften, grünen Wiesen.
Zwischen den folgenden Bildern liegen nur drei Minuten.


Und falls du dich fragst, wo eigentlich Matti steckt: Er lahmt ein wenig. Sein Knie ist angeschlagen, weil er gestern kurz vor der Dreischusterhütte weggerutscht ist. Zur Nutzung von Wanderstöcken konnten wir ihn auch dieses Jahr nicht überreden.
Und so kämpft er sich nun mit reduzierter Pace nach oben, auch wenn du ihn auf deinem kleinen Handydisplay sicher kaum erkennen kannst …

Während Robert die letzten Höhenmeter nimmt, erinnert mich der Anblick der Felsformation vor mir stark an die Fünffingerfelsen im Harz, falls du die kennst (vermutlich nicht :-p).

Nach ein paar letzten Treppenstufen ist es dann endlich soweit …

Zum ersten Mal sehen wir die Drei Zinnen. Wobei wir gleichermaßen von den Bunkeranlagen und Höhlen fasziniert sind, die als Überbleibsel aus dem Krieg erhalten sind.

Auch hier würde ich gern mehr erfahren, bin aber in Zeitnot; sowohl beim Schreiben (es ist bereits 01:09 Uhr) als auch beim Wandern. Denn ich muss zwingend den Bus um 14:08 Uhr an der Auronzohütte erreichen.
Ankunft an den Drei Zinnen
Nach gut drei Stunden sind wir am Highlight unserer Alpenüberquerung angekommen. Die Drei Zinnen liegen in greifbarer Nähe.

Eigentlich krass, dass hier auf über 2.000 Metern Höhe vor rund 250 Millionen Jahren noch der Meeresgrund lag. Die Zinnen sind versteinerte Korallenriffe, die durch Wind, Eis und Wasser in ihre heutigen Formen geschliffen wurden.
Tatsächlich war ich vorher noch nie in den Dolomiten. Die Drei Zinnen sind demnach auch für mich eine Premiere.

Natürlich sind sie das zentrale Fotomotiv für alle, die hierheraufwandern. Und das ist unser finales Gruppenfoto der Alpenüberquerung auf dem E10.

Doch die Tour ist noch nicht vorbei. Du musst im Text noch ein wenig durchhalten. 😉
Ankunft an der Dreizinnenhütte
Zielsicher wandern wir auf die Dreizinnenhütte zu, hungrig und durstig wie wir sind. Noch sind wir ganz alleine und können uns kaum vorstellen, was uns gleich erwartet.

Alles wirkt idyllisch, ruhig und leer. Wir genießen den Ausblick auf die kristallklaren Alpenseen (Laghi dei Piani).

Doch die Idylle trügt. Die Rifugio Locatelli (Dreizinnenhütte) ist vollkommen überfüllt. Mit sehr viel Glück finden wir noch einen freien Platz auf der Terrasse, blicken allerdings nicht gerade schön auf das orangefarbene Vordach. Bevor wir ewig aufs Essen warten, beschließen wir lieber, weiterzuwandern.

Ich versuche noch einen Hüttenstempel für mein Wanderheft zu bekommen, doch selbst hier ist es so überfüllt, dass sogar die Tinte im Stempelkissen leer ist.
Und mit jedem Meter, den wir weiter gehen, verschlimmert sich die Situation. Überall sind Touristen. Hunderte. Tausende. »Overtourism«, wie Robert es nennt.

Wir sind zurück in der Zivilisation, das ist unübersehbar.
Witzig fand ich aber das Hinweisschild, dass das Fliegenlassen von Drohnen hier nicht erlaubt ist.

Wir laufen weiter, entgegen des Stroms, der die Touristen zur Dreizinnenhütte führt.

Abschied an der Lavaredohütte
Unser Mittagessen holen wir auf der privat geführten Lavaredohütte nach.

Leider drängt für mich die Zeit. Ich muss heute noch zurück nach Hause, während die drei Jungs noch eine Nacht in Cortina d’Ampezzo verbringen und dann weiter nach Venedig reisen.
Leider muss ich morgen wieder arbeiten. Daher breche ich um 13:15 Uhr allein zur letzten Etappe auf. Ich drehe mich noch ein letztes Mal um …

Dann geht es zur Auronzohütte, wo der Bus auf mich wartet.

Ich entscheide mich, ein paar Meter abseits des Hauptwanderwegs zu laufen, für ein letztes Quäntchen Alpenüberquerungsfeeling.

Nach gut 30 Minuten erreiche ich das finale Ziel der Alpenüberquerung und hole mir den letzten Stempel an der Auronzohütte.

Und dann endet das E10-Kapitel ganz unspektakulär; um 13:53 Uhr an der Bushaltestelle, wo ich mit dem Shuttle der Linie 444 hinab nach Toblach fahre.

Abreise
Mit dem Zug geht es dann zurück in die Heimat.

Der Reiseplan war an vielen Stellen zum Scheitern verurteilt. Drei Mal umsteigen mit nur wenigen Minuten Puffer.

Doch es hat alles super geklappt. Sogar in München 🙂

Fazit: Alpenüberquerung E10
Was ist mein Fazit nach der Alpenüberquerung auf dem E10? Absolut empfehlenswerte Tour! Jeder Tag war einzigartig, die Landschaften waren grundverschieden.
Wir hatten Anfang Juli natürlich super Glück mit dem Wetter. Wobei ich sagen muss, gerade der eine Regentag der Etappe 3 zum Glocknerhaus hat mir die meiste Freude bereitet. Es ist besonders schön, wenn man die Natur so direkt spüren kann. Fühlt sich einfach mehr nach Abenteuer an.
Vergleicht man die E10-Alpenüberquerung mit dem E5, dann ist es ein wenig wie der Vergleich zwischen Dorf und Metropole. Auf dem E10 waren wir faktisch immer allein unterwegs, während der E5 rückblickend einer Massenwanderung glich. Die Tour war von der Gesamtstrecke und Belastung aber ziemlich ähnlich.

Was mir beim E10 ein wenig gefehlt hat, war das Hüttenfeeling, weil wir nur an zwei von sieben Tagen auf richtigen Berghütten übernachtet haben. Zudem haben die vielen Bustransfers im Tal die Tour ein wenig zerklüftet. Es hat sich weniger nach Alpenüberquerung angefühlt, als es beim E5 der Fall war.
Als Gruppe werden wir unserem jährlichen Rhythmus aber treu bleiben und auch 2027 zu einer Mehrtagswanderung dieser Art aufbrechen. Wohin genau es geht, wirst du dann auf meinem Blog erfahren.
Ich danke dir, dass du uns bis hier her begleitet hast, und natürlich vor allem den Protagonisten der Tour: Matti, Mario und Robert. Es war super cool mit euch!
Kommentar
Vor 18 Jahren sind wir hoch mit MTB zur Auronzohütte und haben 3 Zinnen umrundet, da gab es noch kein Socialmedia und kein Overtourism