Es ist Samstag, 6:58 Uhr. Ich stehe am Oderteich und treffe mich mit zwei mir unbekannten Frauen zum Sonnenaufgang. Falls Du jetzt kritisch in die Adressleiste deines Browsers schaust: »Nein, du hast nicht Tinder bei Google eingetippt«, hier gehts um Fotografie. Beruhig dich bitte!

herr blogo kekse

Zwei treue Leserinnen meines Blogs haben mich für einen Fotoworkshop im Harz gebucht. Sie nennen mich liebevoll »Herr Blogo« und haben sogar die passenden Kekse gebacken. Ich bin begeistert!

Wie läuft so ein Fotoworkshop eigentlich ab?

»Workshop« ist ein komisches Wort: Wir gehen weder auf Arbeit noch zum Shoppen. Wir arbeiten maximal in Photoshop. Aber der Reihe nach: Im Vorfeld beginnt die Planung der Zielfotos. Im Harz kenne ich mich sehr gut aus! Gemeinsam besprechen wir, welche Spots wir besuchen wollen. Dafür haben wir 1,5 Tage Zeit: von Samstagmorgen bis Sonntagmittag.

Sonnenaufgang am Oderteich

Wir starten am Oderteich, der gut mit dem Auto erreichbar ist. Wichtig ist rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang da zu sein. Das Morgenrot ist fotografisch attraktiver als die kitschige Sonne am Himmel. Zudem liegt oft Nebel über dem See.

Nach der Keksübergabe beginnt dann der schwierigste Teil: Wo stelle ich mein Stativ auf? Gemeinsam suchen wir einen passenden Vordergrund – eine Schlüsselkompetenz der Landschaftsfotografie. Hier ist der Oderteich mit seinen vielen Steinen ein dankbares Motiv. Und wir gehen nahe ran! Mit einem Weitwinkel-Objektiv wirken selbst kleine Steine riesig im Bild.

Nebenbei erkläre ich u.a., wie man Fotos mit mehreren Schärfeebenen aufnimmt, um sie dann in der Nachbearbeitung zusammenzuführen (Focus Stacking).

The Cabin – Die perfekte Fotografen-Hütte

Eine Stunde nach Sonnenaufgang checken wir ins »Hotel« ein. Gebucht habe ich The Cabin, eine wunderbare Hütte in Oderbrück Süd. Hier übernachte ich bereits zum dritten Mal (EZ für 30 EUR). Es ist alles fußläufig: die Achtermannshöhe, der Oderteich, das Hochmoor, das Torfhaus und der Brocken.

The Cabin im Harz

Zudem ist Timo der perfekte Gastgeber. Er macht uns ein leckeres Frühstück, dann schnappen wir unsere Kameras und ziehen los.

Der Radau-Wasserfall

Kurz nach dem Torfhaus erreichen wir den Radau-Wasserfall. Aber er wird erst durch eine Relation spannend. »Katrin? Geh doch bitte mal rüber zum Wasserfall, wir brauchen einen Menschen im Bild!« Ohne Katrin wäre ungewiss, wie hoch der Radau-Wasserfall wirklich ist. Dann macht Corina die Fotos mit ihrer Sony a6000. Sie treffen ins Schwarze, wie das Wasser auf die Felsen. 

harz - radau-wasserfall

Sony Alpha 6000 | 24 mm | f/2.0 | 1/8 s | ISO 100

Ilsetal

Gegen Mittag wird das Licht zunehmend unspannend. Daher ziehen wir uns in den Wald zurück. Es geht ins Ilsetal, wo an jeder Ecke interessante Motive warten. Eine ideale Spielwiese für Fotos mit ND-Filter.

harz - Ilsetal im Herbsz

Nikon D800 | 20 mm | f/4.0 | 30 s | ISO 100

Doch die Zeit vergeht schnell. Wir wandern zwei Stunden durch herrliche Wälder, entlang der Ilse. Dann kommt der Regen!

Bildbearbeitung in der trockenen Hütte

Wir fahren zurück zur Cabin, essen leckeren Flammkuchen und sichten unsere Bilder. The Cabin hat mehrere gemütliche Sitzecken, eine Bar und einen tollen Seminarraum mit Beamer. Drei Stunden erkläre ich an den Fotos des heutigen Tages, wie ich bei der Bildbearbeitung in Adobe Lightroom vorgehe. Und zwar alles!

  • Meine Anpassungen der Benutzeroberfläche
  • Meine Import-Einstellungen und eigene Presets
  • Die sinnvolle Umbenennung und Bewertung der Fotos
  • Meine Art der RAW-Entwicklung
  • Das dezente Arbeiten mit Nik Color Efex Pro, als Gewürzmischung

Und die wichtigste Lektion im Workshop: Ich erkläre genau, WARUM ich welchen Regler ziehe! Früher habe ich Stunden an Farblooks, Kontrastoptimierungen und Dodge & Burn verbrannt. Heute weiß ich genau was nötig ist und sitze selten mehr als fünf Minuten an einem Foto. Die Techniken sind erstaunlich einfach. Die bewusste Entscheidung für einen Effekt macht den Unterschied.

Sonnenuntergang am Schloss Wernigerode

Nach den vielen Stunden am Computer geht es jetzt wieder raus zum Fotografieren. Der Sonnenuntergang steht an. Wir fahren nach Wernigerode und steigen auf den Agnesberg. Eines meiner Lieblingsmotive. Der Anblick vom Schloss Wernigerode ist ein wunderbarer Ausklang des Tages.

harz, schloss wernigerode, agnesberg

Lehrreich war der Tag, reichlich leer ist auch unser Magen. Wir fahren nach Braunlage und gehen ins Rialto, wo ich oft in meiner Kindheit essen war. Unabhängig voneinander bestellen wir Spaghetti Carbonara: nur eine der Gemeinsamkeiten. Auf dem Rückweg  werden wir geblitzt, 31 km/h zu schnell. Aber auch das bin ich von meiner Island-Reise gewohnt. Diesmal bin ich aber nicht gefahren. Mein Beileid, Corina 😉

Sonnenaufgang am Torfhaus

Nationalpark Harz - Torfhaus

Nikon D800 | 14 mm | f/8.0 | 1/3 s | ISO 100

Am nächsten Morgen klingelt der fotografische Wecker: er richtet sich nach dem Sonnenaufgang. Wir fahren zum Torfhaus, was nur fünf Minuten entfernt ist. Hier suchen wir nach führenden Linien und finden einen wunderbaren Wanderweg, der sich durch den Nadelwald schlängelt.

Wir experimentieren mit der Perspektive und entscheiden uns anschließend für gekochte Eier und Marmeladenbrötchen bei Timo in der Cabin.

Fazit

Das mich das Schreiben von Blogbeiträgen einmal dazu führt, mit solch ambitionierten und herzlichen Menschen ein Fotowochenende im Harz zu verbringen, hätte ich nie gedacht. Wenn man dann noch Geld für seine »Arbeit« bekommt, ist es die höchste Form der Anerkennung. Ich bedanke mich bei Katrin und Corina für die schöne Zeit und hoffe, wir sehen uns wieder!

Falls DU auch mal ein Wochenende mit mir fotografieren möchtest, dann schreib mir einfach eine Nachricht 🙂