Ach ja, das Tschisi Eis: Ein Kindheitstraum der 90er. Erinnerst du dich? Das Vanilleeis mit den Käselöchern. Ich habe es geliebt. Du erin­nerst dich nicht? Kein Wunder. Tschisi ist in Deutschland seit 20 Jahren nicht mehr erhält­lich. Warum schrei­be ich dann erst jetzt die­sen Blogbeitrag? Weil es vor 20 Jahren noch kei­ne Blogbeiträge gab? Falsch. Also ja, rich­tig.

Aber das wirk­lich Interessante ist: bis letz­te Woche hat­te ich noch vier Stück im Kühlschrank. Das letz­te Tschisi Eis auf die­sem Planeten! Doch nun ist es auf tra­gi­sche Weise auf­ge­taut. Verloren. Für immer. Dabei war der Beschaffungsaufwand unglaub­lich hoch. Davon muss ich dir erzäh­len. Auch auf die Gefahr hin, dass du dich fra­gen wirst: Hat der Typ noch alle Tassen im Schrank? Hat er. Nur das Eis fehlt.

Aber was hat das mit Fotografie zu tun? Gute Frage!
Fakt ist: Es gibt Sachen an die wir uns gern erin­nern. Tschisi zum Beispiel. Aber wie? Geschmacksfotografie? Bisher nicht erforscht.

Tschisi Eis

Fotos brin­gen uns nicht wei­ter. Ich will die Kindheit schme­cken! Dieser herr­lich cre­mi­ge Geschmack, die gefro­re­nen Löcher, in denen erst das Papier der Verpackung und danach die Zunge kle­ben­ge­blie­ben ist. Kindheit. Gefühle. Die Sommer im Freibad – mit Tschisi Eis – das unbe­schwer­te Leben. Es ging um nichts.

Das Tschisi Eis war plötzlich weg

Tschisi wur­de ab 1990 von Eskimo in Österreich ver­mark­tet. Für kur­ze Zeit war es auch in Deutschland erhält­lich, ver­schwand aber Mitte der 90er-Jahre aus dem Sortiment.

Zum Glück waren wir oft in Österreich im Urlaub. Hier gab es Tschisi auch wei­ter­hin. Was für ein Gefühl, nach sechs Stunden Autofahrt end­lich im BILLA-Markt in Seefeld in Tirol die Tiefkühlabteilung zu stür­men. Bis 1999. Denn nach einem Rückgang der Nachfrage wur­de das Eis auch in Österreich aus dem Sortiment genom­men. Kein Tschisi mehr. Aus der Traum. Doch dann kam Social Media!

Das Tschisi-Eis-Comeback durch Facebook

13 Jahre spä­ter, im Oktober 2012 grün­de­te der Salzburger Peter Brandlmayr die Facebook-Seite »Wir wol­len das Tschisi-Eis zurück«. Fast 90.000 Follower unter­stütz­ten ihn bei sei­nem Vorhaben. Das Medieninteresse war groß: Zeitungen, Radio und Fernsehsender berich­te­ten dar­über.

Weihnachten 2012 dann die Sensation. Eskimo teil­te mit, dass man alles zur Wiedereinführung des Tschisi Eis unter­neh­men wer­de. Im März 2013 war es dann soweit: Tschisi war in ori­gi­na­ler Verpackung, Farbe und Geschmack wie­der auf dem Markt. Allerdings ohne die cha­rak­te­ris­ti­schen Löcher, weil es die dafür not­wen­di­ge Maschine nicht mehr gab.

Tschisi Eis auf der Eskimo Webseite

Nach dem Verkaufsstart wur­den laut Eskimo in den ers­ten 7 Tagen über 1,7 Mio. Tschisi abge­setzt. Das ist mehr als so man­ches Eis in einem gan­zen Jahr schafft!

Die Suche nach dem Tschisi Eis

Ich war wahn­sin­nig auf­ge­regt. Ich woll­te unbe­dingt ein Tschisi Eis pro­bie­ren. Doch erst drei Jahre spä­ter war ich wie­der in Österreich. 17 Jahre nach dem letz­ten Tschisi Eis. Jetzt soll­te sich ein Traum erfül­len. Wieder stand ich im BILLA-Markt in Seefeld. Dann die Enttäuschung.

Kein Tschisi! Wie? Dann eben rüber zu HOFER. Auch keins? Hmm. Also zu LIDL. Und fünf wei­te­ren Supermärkten. Bis nach Innsbruck bin ich gefah­ren. Kein Tschisi. Nirgendwo.

Per E-Mail wen­de ich mich an den Hersteller. Ich fra­ge nach, wo ich im Umkreis von 100 km Tschisi Eis kau­fen kann. Dann der Schock.

E-Mail: Antwort von Unilever zur Verfügbarkeit von Tschisi Eis

Vom Markt genom­men? Keine Restbestände? Das glau­be ich nicht! Das kann nicht wahr sein. Ich will ein Tschisi Eis. Koste es was es wol­le!

Die lange Recherche im Internet

Ich bin zurück in Deutschland aber Tschisi lässt mir kei­ne Ruhe. Ich recher­chie­re tage­lang im Internet. Google ist mein bes­ter Freund. Und dann Volltreffer! Der Unimarkt in Österreich hat noch drei Packungen Tschisi im Ausverkauf. Restbestände. Ich flip­pe aus!

Ich prü­fe, in wel­che Regionen gelie­fert wird. Wien. Hmm. Linz. Hmm. Alles über 600 km ent­fernt. Meine Frau bringt mich um. Es gibt aber kei­ne Lieferung nach Deutschland. Was nun?

Ich gehe mei­ne Kontakte in Österreich durch und erin­ne­re mich an mei­nen Freund »Goku«, der am Wörthersee wohnt. Ich tip­pe sei­ne Postleitzahl ein. Geht! Sofort löse ich die Bestellung aus und schrei­be ihn an:

Du musst mir einen Gefallen tun. Ich schi­cke dir jetzt drei Packungen Eis, die du bit­te für mich auf­be­wah­ren musst

Tschisi Eis Bestellung bei Unimarkt.at

Bereits am nächs­ten Tag wur­de das Tschisi Eis gelie­fert. In einer rie­si­gen ther­mo­iso­lier­ten Box, mit acht Kühlakkus und fünf Trennwänden. Das wohl letz­te Tschisi auf die­sem Planeten lag nun 800 km ent­fernt, in der Kühltruhe eines Freundes. Aber wie trans­por­tiert man das Eis über eine so wei­te Strecke?

Wie kommt das Tschisi zu mir nach Deutschland?

Wir schmie­den wil­de Pläne. Sein Kollege muss in vier Wochen auf Dienstreise nach Frankfurt am Main. Ich könn­te es dort abho­len. Ab Frankfurt sind es 4 Stunden im ICE nach Hause, das klingt mach­bar. Aber so lan­ge kann ich nicht war­ten. Das Eis muss zu mir. Sofort! Am bes­ten per Post.

Der Versand nach Deutschland

Wir brau­chen einen mög­lichst schnel­len Versand, damit das Eis nicht auf­taut. »DHL Express International« Klingt gut. Aber das Paket wiegt aber über 10 kg. DHL will 228,90 EUR für den Versand. Hmm.
Wir fin­den noch einen spe­zi­el­len Tarif für tem­pe­ra­tur­ge­führ­te Transporte. DHL Overnight irgend­was. Etwas güns­ti­ger. Genaue Zahlen darf ich hier nicht nen­nen. Falls mei­ne Frau mit­liest 😉

Das Tschisi Eis ist da!

Zwei Tage spä­ter ist es soweit. Bereits kurz vor 9 Uhr klin­gelt es an mei­ner Tür. Es ist unglaub­lich, aber wahr. Vor mir steht eine rie­si­ge Kiste, die 1000 km Versandweg hin­ter sich hat.

Tschisi Eis Transportbox von Unimarkt.at

Darin befin­den sich drei Packungen Tschisi: 27 Stück. Gut gekühlt bei immer­hin noch -5 Grad. Es ist unfass­bar. Ich lege das ers­te Tschisi Eis auf mei­nen Schreibtisch. Ist das auf­re­gend.

Vermutlich hast du dich beim Lesen die­ses Blogbeitrags schon mehr­fach an den Kopf gefasst: Ist die­ser Typ voll­kom­men durch­ge­knallt? Möglich. Aber was dort vor mir liegt ist eine Kindheitserinnerung. Ein fer­ner Wunsch, der end­lich in Erfüllung geht. Noch ein­mal die Kindheit schme­cken. Wie war das damals? Gleich weiß ich es.

Das erste Tschisi Eis

Optisch erin­nert es mich kaum an frü­her. Die Löcher feh­len und es ist deut­lich klei­ner. Es ist win­zig. Aber gut. Ich schlie­ße die Augen.

Ich kos­te das ers­te Tschisi nach 17 Jahren. Es ist leicht ange­taut. Es schmeckt ein wenig künst­lich und irgend­wie anders als erwar­tet. Aber ich will nicht kla­gen. Es ist ein Tschisi, ganz klar. Und ich genie­ße es. Auch wenn es wenig nach Kindheit schmeckt.

Aber viel­leicht war es nicht kalt genug. Ich lege die drei Packungen Tschisi in die Kühltruhe und fah­re auf Arbeit. Den gan­zen Tag freue ich mich aufs zwei­te Tschisi. Dann ist es soweit. 19 Uhr öff­ne ich hoff­nungs­voll die Kühltruhe. Doch es sind nur noch zwei Packungen Tschisi drin. Waaaas?

Tschisi im Kühlfach

»Wo ist die drit­te Tschisi Packung?«, fra­ge ich mei­ne Frau. »Die hat Theo vor­hin an sei­ne Freunde im Hof ver­teilt«. Bitte was? Oh nein. Wenn mein Sohn wüss­te, wel­chen Wert die­ses Eis hat. Das geht doch nicht 🙁

Dennoch: 18 Tschisi blei­ben mir. Ich esse jeden Tag eins. Und jedes Mal freue ich mich. Und mache ein Foto.

Täglich ein Tschisi Eis

Dann kom­men Fragen auf. Seit einer Woche steht nun die lee­re Transportbox bei mir im Flur. Was soll ich damit anstel­len?

Die Transportbox muss zurück.

Auf der Kiste steht »Eigentum von UNIMARKT«. Ich schaue auf den Lieferschein:

Bitte geben Sie die schwar­ze Transportbox Ihrem Postzusteller gleich nach Empfang wie­der zurück

Im Kleingedruckten steht etwas von einer 30-Tage-Frist und einer Kaution in Höhe von 75 EUR. Die Box muss also zurück zum UNIMARKT? Nach Österreich? Na super.

Ich wie­ge das lee­re Paket: 11 kg. Misst > 10 kg. Die Versandkosten 🙁 Ich schrau­be die Kühlakkus mühe­voll auf, um das Wasser raus­zu­las­sen. Spart Gewicht! Fehlanzeige. Es ist Gel drin. Natürlich.

Egal. Ich fah­re zur Postfiliale. Diesmal kein Express. Keine Tiefkühlware. DHL Standardpaket nach Österreich. 31,99 EUR. Nach der gan­zen Aktion nix, wor­über man sich Sorgen machen soll­te.

Die Tragödie kommt zwei Jahre später

Mittlerweile sind wir im Jahr 2018: aber ich habe noch immer vier Tschisi Eis. Für beson­de­re Momente! Die Tiefkühltruhe konn­te ich des­halb nur im Winter bei Minusgraden abtau­en, damit dem Tschisi ja nichts pas­siert.

Übrigens: Über das Mindesthaltbarkeitsdatum müs­sen wir nicht spre­chen. Es geht hier um das letz­te Tschisi auf die­sem Planeten! Ein guter Wein muss schließ­lich auch ein paar Jahre rei­fen 😉

Jetzt ist es Mitte August. Es ist der Jahrhundertsommer. Die letz­ten zwei Wochen waren täg­lich 37 Grad. Doch wir sind im Urlaub, an der Nordsee.

Zuhause dann der Schock: Ich öff­ne die Kühltruhe. Ein bes­tia­li­scher Gestank kommt mir ent­ge­gen. Die Sicherung ist raus­ge­flo­gen. Die Kühltruhe war zwei Wochen ohne Strom. Wir woh­nen im Dachgeschoss. Es sind 33 Grad in der Küche. Das Tschisi Eis treibt in einer brau­nen Brühe. Ein Mix aus Fertigpizza, Salami und Brokkoli. Und Schimmel. Sei froh, dass es kein Geruchsblog gibt, sonst wärst du längst auf eine ande­re Webseite geflüch­tet.

Fazit

Es ist vor­bei. Es gibt kein Tschisi mehr. Es hat die Kindheit auch nicht zurück­ge­bracht. Doch es war die Mühe wert. Lasst uns den Moment genie­ßen und nicht der Vergangenheit nach­trau­ern. Jetzt leben wir, jetzt foto­gra­fie­ren wir!

Danke an Peter Brandlmayr, dan­ke Eskimo, dan­ke an Goku. Und dan­ke an dich, dass du die­sen (zwei­fel­haf­ten) Text bis zum Schluss gele­sen hast.

Über Kommentare wür­de ich mich freu­en. Zeig mir, dass ich nicht der ein­zi­ge Tschisi Fan bin. Oder tu wenigs­ten so, als wür­de es dich inter­es­sie­ren 😉