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Du hast viel Geld für dei­ne Kamera aus­ge­ge­ben: sie hat aber kei­nen GPS-Empfänger? Du möch­test trotz­dem genau wis­sen, wo du dei­ne Fotos auf­ge­nom­men hast? Sie in einer Karte anzei­gen? Kein Problem: das geht sehr ein­fach und kos­tet nichts. Alles was du dafür brauchst, liest du in die­sem Beitrag.

Geotagging ohne GPS-Empfänger: Wie soll das gehen?

Die Technik ist ein­fach. Den feh­len­den GPS-Empfänger dei­ner Kamera trägst du täg­lich bei dir: es ist dein Smartphone. Also nut­ze es als «Koordinatenspender» und syn­chro­ni­sie­re die GPS-Daten spä­ter mit dei­nen Fotos am Computer. Als Referenz wird die Uhrzeit der Aufnahme ver­wen­det. Ein GPS-Track ist näm­lich nichts wei­ter als eine Liste von Punktkoordinaten (Länge, Breite, Höhe) mit Uhrzeit.

Die Zutaten: was brauchst du alles dafür?

  • Ein Smartphone (egal ob Android, iPhone oder Windows-Phone)
  • Eine App zum Aufzeichnen von GPS-Tracks (gibt es kos­ten­los)
  • Adobe Lightroom (es reicht auch die 30-Tage Testversion)

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Geotagging

1. Die Vorbereitung

Lade dir eine App zum Aufzeichnen von GPS-Tracks herunter

Viele Smartphones haben vor­in­stal­lier­te Apps mit GPS-Tracking-Funktion. Bei dir ist kei­ne instal­liert? Dann lade dir eine her­un­ter. Für wel­che App du dich ent­schei­dest ist dir über­las­sen. Wichtig ist, dass sie in der Lage sein muss die Tracks im GPX-Format (GPS Exchange Format) zu spei­chern. Hier sind ein paar App-Vorschläge, die die­se Funktion kos­ten­los bie­ten:

  • Du hast ein iPhone? Dann nimm die App Trails.
  • Du hast das Android-Betriebssystem? Dann nimm z.B. My Tracks
  • Du hast ein Windows-Phone? Dann pro­bier mal den GPS-GPX Logger

Stell die Uhrzeit deiner Kamera genau ein

Dieser Schritt ist wich­tig, denn die Uhrzeit dei­ner Fotos ist spä­ter der ein­zi­ge Bezugspunkt zum GPS-Track. Also stell die Uhrzeit dei­ner Kamera auf die Sekunde genau ein: am bes­ten nach der Atomuhr im Internet.

Kamera Uhrzeit einstellen

Alternativ geht natür­lich auch dein Funkwecker oder der Videotext vom Fernseher. Die Uhrzeit dei­nes Smartphones ist übri­gens egal, denn die Zeit im Track kommt vom GPS-Satellit.

Lade dein Smartphone auf

Klingt banal, aber der Akku ist die gro­ße Schwachstelle vom Smartphone. GPS-Aufzeichnungen sau­gen am Akku. Also geh sicher, dass er voll gela­den ist.

2. Beim Fotografieren

Bevor du dein ers­tes Foto schießt, star­te die Aufzeichnung des GPX-Tracks in der jewei­li­gen App. Ich ver­wen­de die Trails-App und kli­cke auf «Aufzeichnung star­ten». Jetzt ste­cke ich das Smartphone in mei­ne Hosentasche und kon­zen­trie­re mich aufs Fotografieren.

geo-tagging_aufzeichung_starten

Bist du mit dei­ner Fototour fer­tig, dann been­de ein­fach die GPS-Aufzeichnung. Ich ver­ge­be einen Namen für den Track, damit ich mich spä­ter dar­an erin­nern kann.

3. Die Nachbearbeitung

Exportiere den GPX-Track auf deinen Computer

Du bist zurück von dei­ner Fototour? Deine Fotos sind auf der SD-Karte? Prima, dann brauchst du jetzt nur noch den auf­ge­zeich­ne­ten GPX-Track aus dei­ner Smartphone-App. Also expor­tie­re ihn ein­fach. Die Trails-App bie­tet hier ver­schie­de­ne Möglichkeiten: Per E-Mail, via Cloud-Dienst (Dropbox, iCloud), uvm.

geo-tagging_track_exportieren

Ich ent­schei­de mich für den Weg per E-Mail. Anschließend star­te ich das Mailprogramm auf mei­nem Computer und kopie­re mir die GPX-Datei aus dem Anhang auf den Desktop. Hier mal ein Beispiel für eine sol­che GPX-Datei:

geo-tagging_gpx-track

Standardmäßig wird ein Punkt pro Sekunde auf­ge­zeich­net und als Trackpoint (trkpt) gespei­chert. Er ent­hält jeweils die Koordinaten (lati­tu­de, lon­gi­tu­de, ele­va­ti­on) und die genaue Uhrzeit. Mehr brau­chen wir nicht.

Importiere deine Fotos in Adobe Lightroom

Nun star­te ich Adobe Lightroom und impor­tie­re wie gewohnt mei­ne neu­en Fotos. Wie das geht, erklä­re ich an die­ser Stelle nicht. Wenn du noch nie mit Lightroom gear­bei­tet hast, dann schau dir z.B. das Lightroom Tutorial von Stephan Wiesner auf YouTube an.

Schritt 1: Importiere die GPX-Datei in Lightroom

Wenn dei­ne Fotos impor­tiert sind, dann wechs­le in das Kartenmodul und wäh­le »Tracklog laden…« im Menü aus. Jetzt suchst du per Explorer oder Finder (Mac) die GPX-Datei auf dei­nem Computer. Anschließend wird der Track gela­den und in der Karte ange­zeigt.

geo-tagging_lightroom_tracklog_laden

Schritt 2: Markiere deine Fotos in der Auswahlliste

Um dei­ne Fotos mit den GPS-Koordinaten anzu­rei­chern, musst du sie zunächst aus­wäh­len. Du weißt nicht wel­che Fotos das sind? Dann wäh­le ein­fach alle aus: Lightroom macht den Rest für dich. Klicke dazu ein belie­bi­ges Foto in der Bildauswahl an (sie­he rote Umrandung im Screenshot) und wäh­le dann STRG+A (Windows) oder CMD+A (auf dem Mac), um alle Fotos zu mar­kie­ren.

geo-tagging_lightroom_tracklog

Schritt 3: Speichere die GPS-Koordinaten an deinen Fotos

Um nun die GPS-Koordinaten an den jewei­li­gen Fotos zu spei­chern wech­selst du wie­der ins Menü und wählst: Karte -> Tracklog ->Fotos auto­ma­tisch tag­gen.

Damit ist der gan­ze Prozess abge­schlos­sen. Die jewei­li­gen GPS-Koordinaten wur­den den Metadaten dei­ner Fotos hin­zu­ge­fügt. Ab sofort kannst du sie dir in der Karte anzei­gen las­sen. Toll, oder?

geo-tagging_lightroom_foto_in_karte

geo-tagging_lightroom_gps-koordinaten

Achtung: Lightroom und die Metadaten

Ein Hinweis noch: Adobe Lightroom spei­chert die Metadaten stan­dard­mä­ßig nur im Lightroom-Katalog, also der inter­nen Datenbank. Wenn du dei­ne Fotos auch außer­halb von Lightroom in Karten anzei­gen möch­test, musst du die Metadaten auf Dateiebene spei­chern las­sen. Markiere dazu ein­fach alle Fotos und kli­cke STRG+S, bzw. CMD+S (Mac). Dann wer­den die Metadaten in der Bild-Datei aktua­li­siert und die GPS-Koordinaten ste­hen für jede wei­te­re Anwendung bereit. Neben den Koordinaten, ermit­telt Lightroom auch auto­ma­tisch das Land und den Ort.

geo-tagging_dateiebene_gps-koordinaten

Und dann klappt die Anzeige auch außer­halb von Lightroom, zum Beispiel direkt im Browser in Google Maps, OpenStreetMaps, Bing oder ande­ren Anwendungen.

geo-tagging_foto_google-maps

Fazit

Zum Geotagging dei­ner Fotos braucht dei­ne Kamera kei­nen inte­grier­ten GPS-Empfänger. Dein Smartphone ist die Universalwaffe und das hast du sowie­so immer dabei.

Du kannst natür­lich auch einen exter­nen GPS-Logger ver­wen­den, z.B. den Columbus V-990 oder den Garmin eTrex. Bei die­sen Geräten hält der Akku zwar deut­lich län­ger, extra anschaf­fen wür­de ich ein sol­ches Teil aber nicht. Abraten wür­de ich auch von den Blitzschuh-Alternativen — wie z.B. dem Nikon GP-1 — weil die unver­schämt teu­er sind (fast 300 EUR). Es gibt natür­lich auch güns­ti­ge­re Alternativen von Drittanbietern. Letztlich bele­gen die Dinger aber nur unnö­tig den Platz auf dem Blitzschuh, brin­gen Kabel mit, machen die Kamera unhand­lich und sau­gen den Akku leer.

Mit mei­nem iPhone kann ich locker 6-7 Stunden GPS-Tracks auf­zeich­nen, ohne den Akku in die Knie zu zwin­gen. Das hat bis­her für alle Urlaubsfotos und sons­ti­ge Shootings aus­ge­reicht. Die nächs­te Steckdose kommt bestimmt. Ansonsten leg dir eine Powerbank zu.

In die­sem Sinne: Viel Spaß beim Geotagging dei­ner Fotos. Ich hof­fe mein Beitrag war hilf­reich für dich.