Der Tag beginnt, wo er gestern geendet hat: Im Seehotel Sissi in Zell am See. Die Sonne lacht, es sind nur 100 m Luftlinie bis ans Wasser: doch die Idylle trübt. Siehst du die Bahngleise?

Hier sind die Züge heute Nacht direkt durchs Schlafzimmer gebrettert. Bääääähhhm.

Aber hey, so brauchen wir wenigstens keinen Wecker. Bereits kurz nach 07:00 Uhr sitzen wir überpünktlich zu viert im Frühstücksraum. Uns wird frisches Rührei serviert, dazu leckeres Obst, Brötchen und sogar Pancake-Waffeln.
Gut gestärkt geht es um 8 Uhr rüber zur nahegelegenen Bushaltestelle am Postplatz.
Mit dem Bus nach Ferleiten
Alpenüberquerung mit dem Bus? Ja, wir haben uns Ferleiten lassen, die langweiligen Passagen im Tal mit dem Bus abzukürzen.

Mit der Linie 650 fahren wir 45 min bis nach „Ferleiten Wildpark“, direkt an der Mautstation zum Großglockner. Dank unserer Gästekarte war die Fahrt sogar kostenfrei, das freut die Sparfüchse unter uns.

Doch genug der Passivität. Heute steht ein straffes Programm auf dem Plan. Let’s go!

Wanderung durchs Käfertal zur Trauneralm
Direkt neben der Mautstation starten wir zur ersten Teiletappe des Tages. Es geht vom Tauernhaus zur Trauneralm. Klingt formal gleich, trennt aber rund 7 km und 380 Höhenmeter voneinander.
Leider habe ich vergessen, rechtzeitig die Smartwatch zu starten, um die Strecke zu tracken. Die schöne Statistik ist wieder dahin […]
Aber egal. Wir folgen einfach dem breiten Wanderweg, der auch für Familien gut geeignet ist.

Der Weg führt durchs wildromantische Käfertal, ist technisch sehr einfach, aber wunderschön! Links und rechts sind überall kleine und große Wasserfälle in den Bergen zu sehen. Ein wirklich tolles Tal, das vor allem Mario richtig begeistert hat.

Kurze Rast an der Trauneralm
Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Trauneralm auf 1.530 Metern Seehöhe. Wir sind mitten im Nationalpark Hohe Tauern und legen eine erste Rast ein.

Und auch wenn es auf den Fotos ziemlich ausgestorben wirkt. Die Hütte ist aktiv bewirtschaftet.

Zumindest gibt es genügend gekühlte Getränke zur Selbstbedienung. Prost Matti!

Mit Blick aufs Wetter beschließen wir aber, hier nicht ewig zu versacken.
Aufstieg zur Pfandlscharte
Vor uns liegt der Aufstieg zur unteren Pfandlscharte auf 2.663 m, der mit zweieinhalb Stunden Dauer angegeben ist. Und es ziehen düstere Wolken auf.


Nach einem kurzen Meet-and-Greet mit einer vierbeinigen Blondine startet die eigentliche Tour.

Gut gelaunt überqueren wir den Traunerbach …

… und schleppen uns mit den schweren Rucksäcken Schritt für Schritt nach oben.

In der Ferne sieht man sogar die Großglockner-Hochalpenstraße, zum Glück ohne etwas vom Autolärm zu hören.

Von Robert hört man auch nichts, denn er zieht gnadenlos voraus.

Ein wenig erinnert mich die heutige Tour an die dritte Etappe unserer E5-Alpenüberquerung, als es hinauf zur Seescharte ging. Doch heute wollen wir nicht nach Zams, sondern zum Glocknerhaus.

Doch wo geht es lang?
Der Wegweiser liegt abgebrochen auf den losen Steinen vor uns. Matti bringt ihn in Position.

Die Skier sind übrigens nicht von ihm, machen aber klar: Wir müssen da rauf, über den Schnee.
Und in der Ferne sieht man, da ist Bewegung drin. Ich zoome mit dem iPhone näher ran. Tatsache, da ist eine Wandergruppe vor uns.

Robert und Mario folgen ihnen.

Es geht ziemlich steil bergauf. Man muss sich konzentrieren, die Wanderstiefel wirklich tief und fest in den Schnee zu pressen.

Hier nach unten zu rutschen, wäre fatal.

Und Matti zieht eisern durch, ohne Wanderstöcke, während ihm die dunklen Wolken im Nacken sitzen.

Während Robert bereits am Gipfelkreuz sitzt und Mario dort seinen zwei Tage alten Döner isst (kein Scherz!), wird der Wind immer heftiger.
Es wird ungemütlich und sieht stark nach Regen aus. Wir gehen direkt weiter, denn ein Gewitter auf dem höchsten Punkt der heutigen Tour möchten wir nicht erleben.
Von der Pfandlscharte zum Glocknerhaus
Genau wie die Wandergruppe vor uns entschließen wir uns für den schnellen Abstieg. Ich genieße noch kurz den herrlichen Blick auf den Pfandlschartensee.

Was auf dem Foto nicht rüberkommt, ist das kleine Schneefeld vor mir, wo es ziemlich steil bergab geht.
So steil, dass Mario die letzten Meter auf dem Hosenboden gerutscht ist. Und auch mir gelingt es nicht, heil nach unten zu kommen. Ich rutsche weg und rase bis auf den blanken Schotter hinab. Zu allem Übel fängt es nun noch an zu hageln.
Doch kaum haben wir die Grenze von Salzburg nach Kärnten überquert, wird das Wetter besser. Aus Hagel wird leichter Regen.

Es sind 9 Grad. Gut gelaunt macht Matti erst mal ein Dosenbier auf. Prost!

Und dann geht es wieder steil bergauf.

Trotz der rauen Natur und der Schotterwüste finden hier farbenfrohe Pflanzen ihren Platz. Erstaunlich.

Wir stehen mitten vorm Pfandlschartensee. Die Aussicht ist spektakulär.

Ab hier wird der Weg spürbar leichter und immer grüner. Schließlich sehen wir den Margeritzenstausee am Fuß der Pasterze vor uns.

Und damit haben wir das heutige Ziel erreicht. Die Tour endet direkt an der Glocknerstraße.

Doch das Glocknerhaus, in dem wir übernachten wollten, war bereits Monate im Voraus ausgebucht.

Deshalb schlagen wir Plan B ein:
Übernachtung im Karl-Volkert-Haus
Nur 400 Meter vom Glocknerhaus entfernt liegt das Karl-Volkert-Haus. Es thront episch über der Glocknerstraße und war eine gute Wahl.

Aber Vorsicht!


Wir haben zwei Doppelzimmer inkl. Frühstück gebucht und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Schließlich haben wir 1.600 Höhenmeter und 15,5 km Strecke in den Knochen.


Wir freuen uns auf die morgige 4. Etappe unserer E10-Alpenüberquerung, auf der du uns hoffentlich wieder begleitest.
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