Vor zwei Wochen war ich in Zingst, der Retortenstadt, in der jeder Zentimeter durch­ge­plant ist. Auch der Schlag Menschen ist gleich: die per­fek­te glück­li­che Familie an der Strandpromenade, sie im Sommerkleid, er im Lacoste-Hemd. Gegenüber parkt der Sportwagen, das 5-Sterne-Hotel in Fußreichweite, natür­lich aus­ge­bucht. Heile Welt.

Doch was küm­mern mich die Menschen. Ich ste­he bar­fuß am Strand, mein Stativ bil­det eine Tinktur aus Salzwasser und win­zi­gen Sandkörnern. Optisch eine bezau­bern­de Ergänzung zu den ros­ti­gen Schrauben der Stativbeine. Doch was soll ich foto­gra­fie­ren? Es kommt mir vor wie ein Dé­jà-vu: Die Seebrücke gibt es in jedem Ostseebad, die Tauchgondel habe ich 1:1 schon in Zinnowitz (Usedom) und Sellin (Rügen) gese­hen. Was solls. Hier sind mei­ne drei Tipps, was du am Strand in Zingst foto­gra­fie­ren soll­test.

Tipp 1: In Zingst kannst du den Sonnenauf- und -untergang fotografieren

Sowas klappt ja sel­ten, aber in Zingst geht tat­säch­lich bei­des. Wer die Ruhe liebt, steht zei­tig auf und kommt zum Sonnenaufgang.

Ostsee - Zingst - Seebrücke

Nikon D800 – 20mm, f/11 mit 20 Sekunden bei ISO 100

Wer lie­ber aus­schla­fen will (im Urlaub???) kommt am Abend. Dann geht die kreis­run­de Kugel über der Ostsee unter (ist nicht jede Kugel ein Kreis?). Zum Sonnenuntergang ist eins aber garan­tiert: du wirst von einer Horde Menschen umzin­gelt sein.

Zingst - Menschen beim Fotografieren vom Sonnenuntergang

Tipp 2: Den alten Steg von Zingst fotografieren

Unweit der Seebrücke, am Strandabschnitt 13 ist der alte Steg von Zingst. Ein tol­les Fotomotiv, was förm­lich nach dem ND-Filter bet­telt.

Ostsee - Zingst - Strand

Nikon D800 – 20mm, f/16 mit 25 Sekunden bei ISO 200

Wer sich jetzt fragt, was da oben rechts auf dem Pfeiler steht. Das ist die »Sea Daughter«, ein Kunstwerk des schot­ti­schen Bildhauers Rob Mulholland. Es soll sowohl die Verletzlichkeit, als auch die Stärke des Meeres zei­gen. Konstruiert wur­de das Kunstwerk aus einem Spiegel. Es for­dert den Betrachter her­aus, sei­ne eige­ne Beziehung mit der Umgebung zu hin­ter­fra­gen. Ich fra­ge mich vor allem eins: was soll das?

Tipp 3: Strandkörbe fotografieren

Ja, ich weiß: sehr kli­schee­haft. Aber sie gehö­ren für mich zur Ostsee dazu, die Strandkörbe. Und sie ste­hen über­all, also greif zur Kamera. Oder setz dich rein und lass das Fotografieren sein.

Ostsee - Zingst - Strandkörbe

Nikon D800 – 20mm, f/11 mit 25 Sekunden bei ISO 100

Fazit

Dieser Beitrag hat­te wenig Mehrwert, er war aber das Meer wert. Alle drei Fotospots sind tau­send­fach foto­gra­fiert, aber den­noch schön. Meine per­sön­li­chen »Lessons Learned« waren:

  • Steht das Stativ im Sand und Wasser wird ange­spült, ver­sinkt es um wei­te­re zwei Zentimeter im Boden. Aufnahmen mit ND-Filter sind dann vor allem eins: unscharf
  • Auf der Seebrücke ist es ähn­lich. Die Schwingung der Brücke ver­saut jede Langzeitbelichtung

In die­sem Sinne wün­sche ich Dir viel Spaß bei dei­ner Fotografie am Ostsee-Strand, viel­leicht sogar in Zingst.