Ein eige­nes Baumhaus; davon träu­me ich schon lan­ge. Erst recht seit auf DMAX die Baumhaus-Profis aus­ge­strahlt wer­den. Wer es nicht kennt, unbe­dingt anschau­en. Pete Nelson baut groß­ar­ti­ge Baumhäuser. Leider fehlt mir dazu das pas­sen­de Grundstück.

Baumhäuser sind aber tol­le Fotomotive. Eingebettet in die Natur, erzeu­gen sie eine roman­ti­sche, teils mys­ti­sche Stimmung. Besonders bei Nacht. Um eine sol­che Aufnahme geht es in die­sem Blogbeitrag. Nachfolgend zei­ge ich das Making-of mei­nes Fotos von Baumhaus bei Vollmond in Tirol.

Die Vorbereitung

Wie immer gilt: eine gute Vorbereitung fürs Fotografieren ist wich­tig. Das Baumhaus habe ich bereits zwei Tage zuvor ent­deckt. Es steht in Kirchplatzl, einem Gemeindeteil von Leutasch in Tirol (Österreich).

Baumhaus

Nikon D800 – 24-70 mm f/2.8 – 1/250 Sek. bei f/5.6 – ISO 400

Streng genom­men ist es gar kein Baumhaus, son­dern nur eine auf Baumstämmen gela­ger­te Holzhütte. Gebaut wur­de es für die Kinder des Ortes, in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Spielplatz und dem angren­zen­den Kindergarten. Es ist frei begeh­bar. Ich ana­ly­sier­te es von allen Seiten und beob­ach­te­te den Stand der Sonne.

Baumhaus

Nikon D800 – 14.0 mm f/2.8 – 1/100 Sek. bei f/8.0 – ISO 200

Hübsch anzu­se­hen, aber nicht mein Zielfoto. Ich woll­te eine Nachtaufnahme erstel­len und spe­ku­lier­te mit der Abgeschiedenheit des Ortes. Keine Lichtverschmutzung, nur Berge, Wald und ein Baumhaus als Objekt im Vordergrund. Das schien mit ide­al für eine Nachtaufnahme, kom­bi­niert mit der Milchstraße am Himmel. Der Blick auf den Mondkalender der PhotoPills-App brach­te aber sofort die Ernüchterung.

Mondkalender PhotoPills App

Vollmond. Er über­strahlt die Milchstraße und die Astrofotografie kann ich in die­ser Form mal wie­der ver­ges­sen. Aber der Vollmond ist auch eine Chance, um das Baumhaus in eine außer­ge­wöhn­li­che Kulisse zu ban­nen. Doch wo und wann ist der Mond zu sehen?

Den Vollmond orten

Bei die­sen Fragen unter­stützt mich die PhotoPills-App. Mit Hilfe einer aug­men­tier­ten Kameraansicht lässt sich der Stand des Mondes im Smartphone-Display ein­blen­den.

Nachdem der Standort des Mondes in sei­ner Umlaufbahn bestimmt war, such­te ich den opti­ma­len Kamerastandort aus. Ich woll­te den Vollmond auf der lin­ken Seite vom Baumhaus posi­tio­nie­ren. Denn rechts wäre der Spielplatz stö­rend im Blickfeld. Auf der Rückseite des Baumhauses war nur ein Hasenkäfig. Nachts wenig spek­ta­ku­lär, der Hase hat sei­nen Schlaf ver­dient.

Planung mit der AR-Ansicht von PhotoPills

Unter die­sen Voraussetzungen war dem­nach 23 Uhr der idea­le Standort des Mondes erreicht. Sehr gut. Das ist eine huma­ne Uhrzeit, um am nächs­ten Morgen mit mög­lichst wenig Schlafmangel, geseg­net auf­zu­wa­chen.

Baumhaus bei Vollmond fotografieren

Die Nacht bricht her­ein. Es ist 22:30 Uhr und ziem­lich düs­ter, trotz Vollmond. Ich posi­tio­nie­re mein Stativ und mache eine ers­te Testaufnahme. 25 Sekunden Belichtungszeit.

Baumhaus

Nikon D800 – 14.0 mm f/2.8 – 30 Sek. bei f/8.0 – ISO 100

Zu dun­kel. Hmm. Wie aber bekom­me ich mehr Licht in den dunk­len Wald? Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Die Belichtungszeit erhö­hen. Problem: Alle die meis­ten Digitalkameras kön­nen auto­ma­ti­siert nur maxi­mal 30 Sekunden belich­ten. Längere Belichtungszeiten erreicht man nur im manu­el­len Bulb-Modus der Kamera. Manuell ist hier so zu ver­ste­hen, dass man den Auslöser der Kamera solan­ge gedrückt hal­ten muss, wie man eben belich­ten möch­te. Um dabei die Kamera nicht zu ver­wa­ckeln, setzt man Fernauslöser ein. Es gibt sie mit und ohne Kabel.
  • Die Blende wei­ter öff­nen. Aktuell hat­te ich Blende 8 ein­ge­stellt. Um das Bild dop­pelt so hell zu bekom­me, müss­te ich die Blende auf 5.6 öff­nen. Eine wei­te­re Verdoppelung des Lichteinfalls bringt Blende 4, danach Blende 2.8. Dabei ver­liert man jedoch an Schärfentiefen und die Abbildungsleistung des Objektivs nimmt ab.
  • ISO erhö­hen. Bei Nachtaufnahmen soll­te man mit der nied­rigs­ten nati­ve ISO-Zahl der Kamera arbei­ten. In mei­nem Fall ISO 100. Gerade bei Langzeitbelichtungen wür­den höhe­re ISO-Werte gna­den­los zu einem ver­stärk­ten Bildrauschen füh­ren.

Für wel­che Option habe ich mich ent­schie­den? Nun ja. Die Belichtungszeit konn­te ich nicht erhö­hen, weil ich den Fernauslöser in mei­nem Rucksack nicht fin­den konn­te. Die Blende wei­ter öff­nen woll­te ich nicht. Es soll­te sowohl der Mond, als auch der Wald und natür­lich das Baumhaus im Vordergrund in opti­ma­ler Schärfe dar­ge­stellt wer­den. Es bliebt mir also nur die Option am ISO-Wert zu schrau­ben. Ich erhö­he also von ISO 100 auf 200 und hat­te damit ein dop­pelt so hel­les Bild.

Das Baumhaus ist mein Hauptmotiv. Ich woll­te es beson­ders beto­nen. Der Mond beleuch­tet es aber nur von hin­ten. Wie aber bekom­me ich von vor­ne mehr Licht auf das Baumhaus? Ganz ein­fach: Ich schnapp­te mir mein Petzl Tikkina Stirnlampe, lös­te die Kamera aus, lief zum Baumhaus und beleuch­te­te es mit krei­sen­den Bewegungen.

baumhaus

Nikon D800 – 14.0 mm f/2.8 – 30 Sek. bei f/8.0 – ISO 200

Schon bes­ser. Aber trotz­dem zu dun­kel und irgend­wie lang­wei­lig. Das Licht auf dem Baumhaus wirkt unna­tür­lich. Besser wäre eine natür­li­che Beleuchtung von innen. Doch im Baumhaus gab es weder Strom, noch Licht. Ich ent­schloss mich die Stirnlampe ein­fach auf den Fußboden im Baumhaus zu legen. Damit soll­te das Licht mög­lichst breit gestreut wer­den und von innen, mög­lichst natür­lich durch die Fenster schei­nen. Um auch das Seitenfenster ins Bild zu brin­gen, habe ich den Kamerastandort etwas nach links ver­la­gert. An die­ser Stelle macht sich das Walimex Pro 14mm Ultraweitwinkelobjektiv bezahlt, denn der Abstand zwi­schen Mond und Baumhaus war beacht­lich weit.

Eins stör­te mich aber nach wie vor. ISO 200. Reine Faulheit bzw. feh­len­de Vorbereitung? Nein. Jetzt kram­te ich im Rucksack und fand tat­säch­lich mei­nen Kabelfernauslöser. Auf dem Fernauslöser kann man eine belie­bi­ge Auslösezeit ein­stel­len, was extrem prak­tisch und nütz­lich ist. Klare Kaufempfehlung, zumal das Teil nur ein paar Euro kos­tet. Kurzer Hand wur­de die Kamera in den Bulb-Modus geschal­tet und die Belichtungszeit auf 99 Sekunden erhöht. Neuer Versuch, neu­es Foto.

Baumhaus

Nikon D800 – 14.0 mm f/2.8 – 99 Sek. bei f/8.0 – ISO 100

Mit die­sem Ausgangsbild war ich zufrie­den. Es war zwar ins­ge­samt noch zu dun­kel, aber im RAW-Modus der Kamera hat man in der Bildbearbeitung genü­gend Reserven zum Aufhellen. Eine län­ge­re Belichtungszeit zum Ausfressen der Lichter im Baumhaus geführt. Außerdem wäre der „Sonnenstern“ des Mondes noch grö­ßer gewor­den, was die Nachtstimmung dann voll­kom­men rui­niert hät­te.

Klar: man könn­te mit Belichtungsreihen arbei­ten, meh­re­re Aufnahmen machen und die­se am Rechner zu einem HDR-Bild zusam­men­füh­ren. Ich bin aber faul und ver­traue lie­ber auf den hohen Dynamikumfang mei­ner Nikon D800.

Die Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitung gibt dem Bild den letz­ten Schliff. Wie so oft reicht dafür die Bildentwicklung der RAW-Datei in Adobe Lightroom aus. Die Grundeinstellungen erschaf­fen den Bildlook und sind in zwei bis drei Minuten gesetzt. Anschließend noch etwas Vignettierung und nach­schär­fen. Fertig ist das fina­le Bild.

baumhaus-fotografieren_lightroom-einstellungen

Vorher-Nachher-Vergleich

Kleine Regler, gro­ße Wirkung. Mit ein wenig Planung und dem pas­sen­den Ort sind der­ar­ti­ge Aufnahmen leicht nach­zu­ma­chen.

Hier noch­mal das fina­le Bild in höhe­re Auflösung zum Draufklicken:

Baumhaus

Was hätte man besser machen können?

Klar, hin­ter­her ist man immer schlau­er. Wenn ich das Bild jetzt betrach­te, stört mich der mas­si­ve Sonnenstern des Mondes. Ein Vollmond ist in der Realität natür­lich kreis­rund. Er leuch­tet schwä­cher und man erkennt teil­wei­se auch die Mondstrukturen und Schatten.

Die bes­se­re Option wäre also doch drei Bilder zu schie­ßen. Alle mit unter­schied­li­chen Belichtungszeiten, die man in Photoshop zu einer Aufnahme zusam­men­führt.

  1. Aufnahme: Den Mond kor­rekt (kreis­rund) belich­ten. Hier muss man expe­ri­men­tie­ren. Vermutlich hät­ten zwei bis drei Sekunden Belichtungszeit aus­ge­reicht. Eine Aufnahme mit geöff­ne­ter Blende (f2.8) hät­te den „Sonnenstern“ ver­mie­den. Die Strahlen am Mond ent­ste­hen durch die Lamellenblende im inne­ren des Objektivs. Je wei­ter die Blende geöff­net ist, des­to schwä­cher ist die­ser Effekt.
  2. Aufnahme: Den Wald mit 200 Sekunden Belichtungszeit auf­nah­men. Dies hät­te zu mehr Struktur geführt und die star­ke Aufhellung um 2 Blendenstufen in Lightroom wäre nicht not­wen­dig gewe­sen.
  3. Aufnahme: Das Baumhaus. Da war ich mit den rund 100 Sekunden Belichtungszeit schon ganz gut auf­ge­stellt.

Was hät­tet ihr anders oder bes­ser gemacht?