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Auf dem Jubiläumsweg durchs Allgäu – Wanderung mit Freunden

Wir, das sind Pino, Thomas und Schwibs (von links nach rechts)

Laufen, klet­tern, balan­cie­ren … und ein klein wenig Todesangst: wenn Stadtmenschen einen alpi­nen Wanderweg erklim­men, sind die Gefühle gemischt. Selbst die als leicht dekla­rier­ten Wege brin­gen unge­üb­te Wanderer schnell an ihre Grenzen.

Aber sehen wir aus wie Anfänger? Hat uns der Jubiläumsweg zum Jubeln oder eher zur Lähmung gebracht? Begleitet uns auf unse­rer Wanderung durchs Allgäu — kei­ne Angst, ihr müsst jetzt nicht die Wanderschuhe anzie­hen; nur lesen und mitfüh­len.

Die panische Anreise

allgaeu_navi-anreiseAusgangspunkt unse­rer Wanderung war Hinterstein — ein Ortsteil von Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu in Bayern. Ab hier ver­kehrt stünd­lich ein Linienbus, der Wanderer für 4,30 EUR zum Giebelhaus fährt. 

Vorher stand für mich aber eine lan­ge Anreise auf dem Programm, die 5:45 Uhr begann; lei­der woh­ne ich nicht in Süddeutschland. Schwibs stieg erst in Ulm ins Auto, er war unser Reiseführer: sport­lich, durch­trai­niert, ber­ger­fah­ren und durch­ge­knallt. Ziel war es, den Bus um 13:40 Uhr in Hinterstein zu erwi­schen, damit wir recht­zei­tig zum Sonnenuntergang am Prinz-Luitpold-Haus ankom­men. Doch wir hat­ten kein Glück und am Ende kam auch noch Pech dazu. Wir haben in Ulm zu lan­ge gebum­melt. Erst galt es einen siche­ren Parkplatz für das Fahrrad von Schwibs zu fin­den, dann hat Pino auf hal­ber Strecke die Autobahn-Abfahrt ver­passt. Oder war es das Navi? Die Strecke ver­län­ger­te sich, zum Leidwesen der Tankanzeige. Sie prä­sen­tier­te eine Differenz von 10 Kilometern; zwi­schen dem lee­ren Tank und der Entfernung zum Ziel. Ungünstig. Die Geschwindigkeit auf der Autobahn muss­te emp­find­lich gedros­selt wer­den, was wert­vol­le Minuten gekos­tet hat. Das Navi berech­ne­te die Ankunftszeit in Hinterstein um 13:40 Uhr. Keine Toleranz zur Busabfahrt.

Doch wir sahen den Bus noch. Der Fahrer gab sich ver­gnügt sei­ner Pause hin. Die Haltestelle war gut gefüllt; der Parkplatz lei­der auch. Wir muss­ten umdre­hen und außer­halb von Hinterstein par­ken. Selbst der schnel­le Schritt zur Haltestelle nütz­te nichts mehr: wir haben den Bus um weni­ge Minuten ver­passt. Das geht ja gut los. In der kom­men­den Stunde, die wir nutz­los mit Warten ver­brach­ten, hat­ten wir genug Zeit, die auf­zie­hen­den Gewitterwolken zu beob­ach­ten. Sie wirk­ten bedroh­lich, doch sie ver­gin­gen genau so schnell wie die Wartezeit. Dann kam der Folgebus und nach 20 Minuten Fahrt erreich­ten wir den Ausgangspunkt der Wanderung: das Giebelhaus. Kein Regen in Sicht.

Die Tour

Da das Wetter unbe­re­chen­bar schien, hat­ten wir uns den genau­en Verlauf der Tour bis zuletzt offen gehal­ten. Erst nach dem Aufstieg und einer Übernachtung im Prinz-Luitpold-Haus, fiel die Wahl auf den Jubiläumsweg. Er endet nach rund 17 Kilometern auf der Willersalpe, wo wir in der gleich­na­mi­gen Hütte eine wei­te­re Nacht ver­bracht haben. Am nächs­ten Morgen tra­ten wir den Abstieg zum Ausgangsort in Hinterstein an. Da ich als Geoinformatiker eine lan­ge Freundschaft mit GPS-Trackern hege, habe ich unse­re exak­te Tour zum Nachvollziehen in Google Maps ver­linkt: 

30,1 km

STRECKE

16 h

DAUER

2290 hm

AUFSTIEG

2484 hm

ABSTIEG

Die Ausrüstung

Ja, ich habe zu viel mit­ge­schleppt. Und ja: ich habe es bereut. Die Fehler sind immer die glei­chen. Man möch­te kein Bild ver­pas­sen, für jede Situation gewapp­net sein und schöpft den Platz im Rucksack voll aus. Am Ende hat­te ich 14 kg auf dem Rücken — und die merkt man; Schritt für Schritt, mit jedem Höhenmeter (hm).

allgaeu_ausruestungMit dabei war die Nikon D800 und zwei Objektive. Das AF-S Nikkor 24-70mm f/2.8 für die Flexibilität und das Walimex pro 14mm f/2.8 für die außer­ge­wöhn­li­che Weite. Für Aufnahmen mit län­ge­rer Belichtungszeit war das zwei Kilogramm schwe­re Sirui ET-2004 Easy Traveler Dreibeinstativ mit E-20 Kopf eben­falls mit an Bord.

Aufstieg zum Prinz-Luitpold-Haus

Der Aufstieg zum Prinz-Luitpold-Haus war schnell erle­digt. Die rund 1000 Höhenmeter, auf einer Strecke von 6,1 Kilometern haben wir bequem in zwei Stunden durch­ge­zo­gen. Ein wenig Regen kam dann doch auf; halb so wild.

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iPhone 6s – 4.15 mm – 1/125 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Doch es war Samstag, es war voll und eher Massentourismus als ein indi­vi­du­el­les Bergerlebnis. Aber das wuss­ten wir vor­her. Was man dem Prinz-Luitpold-Haus las­sen muss: das Essen war erst­klas­sig, die Preise abso­lut human. Die Bedienung war freund­lich und schnell. Nach dem Essen mach­ten wir uns auf den Weg, um ein wenig die Umgebung zu erkun­den.

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Nikon D800 – 14 mm – 1/13 Sek. bei f/8 – ISO 100

Der Weg führ­te uns direkt zum Wiedemerkopf. Doch das Bergsteigen über­lie­ßen wir Schwibs, der, unaus­ge­las­tet wie immer, noch fix den Gipfel bestei­gen woll­te. Kaum hing er am Fels, näher­te sich eine Familie: Mutter, Vater, Tochter. Pino wies dar­auf hin, dass der Wanderweg hier zu Ende sei und sie bes­ser umdre­hen sol­len.

Danke, wir ken­nen den Weg bes­tens und über­nach­ten heu­te im Schlafsack auf dem Gipfel.

Und schon klet­ter­ten sie los, wäh­rend wir wie Kletten am Boden kleb­ten. Es soll­te nicht das letz­te Mal sein, wo wir als Anfänger auf­ge­flo­gen sind.

allgaeu_alpen1Nach zwei Stunden umher tin­geln gin­gen wir zurück und beob­ach­te­ten den nahen­den Sonnenuntergang. Dramatische Wolken über den Gipfeln: wenn schon nicht bestei­gen, dann wenigs­tens foto­gra­fie­ren, dach­te ich mir.

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Nikon D800 – 14 mm – 1/25 Sek. bei f/11 – ISO 100

Die Romantik war schnell ver­flo­gen, als wir zurück auf der Hütte waren. Das Prinz-Luitpold-Haus war kom­plett aus­ge­bucht. Die Nacht brach her­ein und wir ver­brach­ten sie mit 260 frem­den Leuten im Lager.

Quelle: http://www.prinz-luitpoldhaus.de/index.php/die-huette/unterkunft

Quelle: http://www.prinz-luitpoldhaus.de/index.php/die-huette/unterkunft

Es war laut, es war eng. Rund 50 Zentimeter per­sön­li­cher Schlafraum blie­ben jedem Gast. Die Luft war sti­ckig – doch wir lagen am Fenster. Die Nachtruhe war 22 Uhr, sie wur­de nur bedingt ein­ge­hal­ten. Immer wie­der kamen Wanderfreunde, mit guter Laune, gefüt­tert durch das ein oder ande­re Bier, unsanft aufs Zimmer. Licht an; krei­schen der weib­li­chen Schlafgäste:

Es ist eine abso­lu­te Dreistigkeit das Licht ein­zu­schal­ten […].

Antwort des Ruhestörenden:

Mach de‘ Augen zu

In die­sen Momenten dach­te ich an mei­nen ursprüng­li­chen Plan zurück. Ich woll­te Zelten, abge­schie­den, ein ech­tes Abenteuer. Die Hütte nur aus der Ferne beob­ach­ten. Erlaubt ist es nicht; gemacht haben es den­noch eini­ge. Aber Zelt, Schlafsack und ISO-Matte haben ihren Preis, nicht nur mone­tär, son­dern auch in Kilogramm. Vermutlich wäre ich bereits auf hal­ber Strecke am Schrecksee ver­en­det, wenn ich noch mehr Gepäck auf dem Rücken getra­gen hät­te. 

allgaeu_prinz-luitpoldhaus

Nikon D800 – 14 mm – 20 Sek. bei f/8 – ISO 100

Die Nacht war kurz und kam mir den­noch ewig lang vor. Der Wecker klin­gel­te um 5:30 Uhr. Im Lager war bereits Aufbruchstimmung, denn wir waren nicht die ein­zi­gen die zei­tig los­woll­ten. Vorher stol­per­ten wir aber bei­na­he über einen Wanderer, der aus Platzmangel sei­nen Schlafplatz im Gang vor der Tür gewählt hat­te. Obacht, hier liegt ein Mensch.

allgaeu_prinz-luitpoldhaus_schlafplatz

Das Frühstück haben wir 6 Uhr auf der Terrasse ein­ge­nom­men, es gab Brot mit Marmelade. Dann ging es los, die gro­ße Wanderung begann. 

Der Jubiläumsweg

Wir folg­ten dem Jubiläumsweg, im Grenzgebiet zwi­schen Bayern und Tirol. Hatte ich schon erwähnt, dass mein Rucksack viel zu schwer war? Gespürt habe ich es bereits nach weni­gen Minuten, als der stei­le Aufstieg zur Bockscharte vor uns lag. Den Sattel erreich­ten wir bei tief­ste­hen­der Sonne, kurz nach deren Aufgang. Der Blick führt ins benach­bar­te Österreich, was sich bereits per Handynetz ankün­dig­te.

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Nikon D800 – 24 mm – 1/800 Sek. bei f/11 – ISO 100

Wir folg­ten dem Jubiläumsweg, der uns nach dem har­ten Aufstieg wie­der hin­ab­führ­te. Der Weg nahm kein Ende, die Schwierigkeit erhöh­te sich und es war Konzentration gefragt. Es folg­ten eini­ge Stellen mit Klettersteig. Nichts für Pino. Der Pfad war schmal, die Steine rut­schig: auf­pas­sen, ja nicht abrut­schen, rechts geht es steil hin­ab.

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iPhone 6s – 4.15 mm – 1/350 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Es folg­ten wei­te­re Stelle mit loka­ler Todesangst; zum Leidwesen von Pino, der nicht ver­ste­hen konn­te, war­um man sich frei­wil­lig in die­se Gefahren begibt.

Das ist abso­lut krank alles …

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iPhone 6s – 4.15 mm – 1/1500 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Doch die wun­der­schö­ne Aussicht ent­schä­digt für alles, zumin­dest Schwibs und ich waren glück­lich.

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iPhone 6 – 4.15 mm – 1/2300 Sek. bei f/2.2 – ISO 32

Der Weg zog sich nun aber mäch­tig hin. Die Mittagshitze setz­te ein. Hinter jedem Gipfel ver­mu­te­ten wir den Schrecksee. Wir ver­mu­te­ten … Und wer mutig ist, der klet­tert.

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iPhone 6s – 4.15 mm – 1/1500 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Schwibs geht vor­an, Pino zieht nach; ich foto­gra­fie­re.

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Nikon D800 – 35 mm – 1/1600 Sek. bei f/3.5 – ISO 100

Der Schrecksee

Nach gut 6 Stunden erreich­ten wir die lang ersehn­te Zwischenetappe: den Schrecksee. Von oben her­ab, lag er plötz­lich vor uns: wun­der­schön. Mosig bewach­se­ne Natur, wie in Irland und gift­grü­nes Wasser. Dazu strah­lend blau­er Himmel mit ein paar Wolken; das per­fek­te Motiv. Es wirkt wie in einer künst­li­chen Welt, die in Photoshop erschaf­fen wur­de. Doch es ist die Realität, wir haben es genau so erlebt. Zur Energiegewinnung wur­de der See in den 1950er Jahren um acht Meter auf­ge­staut. Aus einer natür­li­chen Halbinsel ent­stand nun eine klei­ne voll­wer­ti­ge Insel, die den Schrecksee beson­dern reiz­voll macht.

Allgäu - Schrecksee

Nikon D800 – 24 mm – 1/160 Sek. bei f/8 – ISO 100

Mit der Badehose im Gepäck, lies es sich Schwibs nicht neh­men, zur Insel zu schwim­men und den Gipfel zu erobern. Das Wasser war klar und warm genug, für einen Alpensee die­ser Art. Wir ver­brach­ten eine Stunde im Sonnenschein, aßen Schokolade und Walnüsse. Mein Rücken schien erholt genug, um den zwei­ten Teil der Tour zu wan­dern.

Vom Schrecksee zur Willersalpe

Es ging nun wie­der steil berg­auf, mit etwas Klettern, bei weni­ger Gewicht, denn mehr als die Hälfte der Wasservorräte war aus­ge­trun­ken und kon­den­siert. Fliegen wäre jetzt schön, dach­te ich mir, wäh­rend ich zum Himmel blick­te.

allgaeu_flugzeug

Nikon D800 – 70 mm – 1/2000 Sek. bei f/5.6 – ISO 200

Doch der schwe­re Rucksack zieht mei­ne Blicke sofort zurück zum Boden. Der Weg ist noch weit, in der Ferne sehen wir den Vilsalpsee, der jedoch in Österreich liegt.

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Nikon D800 – 24 mm – 1/500 Sek. bei f/5.6 – ISO 100

Nun geht es wie­der straff berauf. Die Wege wer­den unge­müt­li­cher, aber das ken­nen wir ja, wir lau­fen seit mehr als acht Stunden.

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iPhone 6s – 4.15 mm – 1/900 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Schwibs stört das wenig. Während wir beim Wegweiser auf­at­men, dass die Willersalpe nicht mehr weit ist, denkt er dar­über nach, noch fix das Rauhhorn zu bestei­gen.

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Wir lau­fen wei­ter und las­sen das Schild links lie­gen. Dann sehen wir eine klei­ne­re Gruppe von Wanderern. Sie rufen uns zu:

Ihr kennt’s euch aus?

Schwibs erkennt den Hilferuf und outet sich als Streckenkenner.

Ja, wo wollt ihr hin?

Die Wanderkollegen woll­ten aber nur sicher­stel­len, dass wir wis­sen wohin wir gehen.

Ihr kennt’s euch aus. Das is gut. Da gehts zur Willeralpe. Genau …

Der Hilferuf war sicher eine Interpretation mei­ner Jeanshose. Aber hey, sah ich aus, als woll­te ich ins Büro gehen?

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iPhone 6 – 4.15 mm – 1/4000 Sek. bei f/2.2 – ISO 32

Vermutlich schon 😉

Der Weg zog sich. Es folg­te ein wei­te­rer har­ter Aufstieg. Mit letz­ten Kräften schlepp­te ich den Rucksack den Berg hin­auf. Pino und Schwibs gin­gen vor­aus. Dann sahen wir sie end­lich: die Willersalpe. Es war 15:30 Uhr.

allgaeu_willersalpe

iPhone 6s – 4.15 mm – 1/800 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Doch es dau­ert noch über eine Stunde, bis wir sie erreich­ten. Der Abstieg war steil, die Hütte kam kein Stück näher. Erst gegen 17 Uhr erreich­ten wir das Ziel.

allgaeu_willersalpe2

iPhone 6s – 4.15 mm – 1/1250 Sek. bei f/2.2 – ISO 25

Wir waren voll­kom­men K.o., außer Schwibs natür­lich. Der mach­te sich noch auf den Weg, um das klei­ne Gipfelkreuz auf der Wiese gegen­über zu erklim­men.

Die Willersalpe

Die Willersalpe ist eine sehr ursprüng­li­che Hütte. Sie liegt auf 1456 Metern Höhe. Mit dem Prinz-Luitpold-Haus hat sie nicht viel gemein­sam. Es ging alles eine Spur ruhi­ger und gemüt­li­cher vor sich. Die Hütte wird aus­schließ­lich mit Tragtieren (Haflinger und Esel) ver­sorgt. Wie die Tierchen den Wanderweg pas­sie­ren ist mir unklar, wir haben aber sicht­ba­re Fußspuren gefun­den.

Zum Abendessen gab es nur ein Gericht: Nudeln. Wir bestell­ten und setz­ten uns zu den ande­ren Wanderern an den Tisch. Wir genos­sen den Sonnenuntergang, der sich mit Blick aus dem Fenster der Stube ankün­dig­te.

allgaeu_willersalpe-stube

iPhone 6s – 4.15 mm – 1/50 Sek. bei f/2.2 – ISO 32

Der Sonnenuntergang war ver­lo­ckend und spie­gel­te sich direkt vor der Haustüre in einer herr­lich roten Farbgebung wider. Doch ich war kör­per­lich am Ende mei­ner Kräfte und blieb sit­zen. Ich folg­te nur noch der Treppe ins Untergeschoss, wo man mit sei­ner Stirnlampe  bewaff­net den Waschraum benut­zen konn­te.

allgaeu_willersalpe-waschraum

Bereits 21 Uhr lagen wir im Lager, mit rund 20 wei­te­ren Gästen. Die Nacht war ruhig, nur die Glocken der Kühe säu­sel­ten im Hintergrund. Nach reich­lich Schlaf und einem Brotfrühstück tra­ten wir halb sie­ben den fünf Kilometer lan­gen Abstieg nach Hinterstein an. Nach 90 Minuten erreich­ten wir das Auto. Endlich sit­zen. Wir waren zurück in der Welt des Handyempfangs, der Straßenschilder und der fla­chen Bordsteinkanten.

Fazit

Die für Geübte leich­te und für weni­ger Geübte Ausdauer erfor­dern­de Bergwanderung kann auch mit Kindern ab 10 bis 12 Jahren gemacht wer­den.

So steht es im Wikipedia-Artikel vom Jubiläumsweg, unter den tou­ris­ti­schen Angaben. Diese Aussage wür­de ich nach unse­rer Erfahrung nicht unter­schrei­ben. Für geüb­te Wanderer ist die Strecke mit Sicherheit kein Problem. Vielleicht liest hier der ein oder ande­re mit und denkt sich: was hat der nur? Ist doch ein leich­ter Weg. Ja, mag sein. Für Pino und mich war es die ers­te Wanderung die­ser Art, sie hat uns deut­lich ans Limit geführt. Es war aber eine sehr emp­feh­lens­wer­te Wanderung, unter Freunden, mit schö­nen Erlebnissen. 

Eins habe ich gelernt: Bei der nächs­ten Wanderung ach­te ich auf leich­tes Gepäck. Das Stativ hät­te zuhau­se blei­ben kön­nen. Die Sicht auf die Milchstraße war vom Vollmond ver­deckt, sinn­vol­le Möglichkeiten zur Langzeitbelichtung am Tag bot die Strecke nicht. Und für den Sonnenauf- und -unter­gang war ich zu K. o. Das Ultraweitwinkelobjektiv war nütz­lich, aber mehr­heit­lich habe ich mit dem 24-70 mm Objektiv Panoramen geschos­sen, weil ich nicht stän­dig das Objektiv wech­seln woll­te. Gut 95% der Bilder sind bei 24 mm Brennweite ent­stan­den. Nützlich wäre das Nikon AF-S 20 mm 1:1,8 G ED Objektiv gewe­sen, klein, leicht  (354 Gramm) und eine tol­le Brennweite in den Bergen. Hab ich aber nicht, noch nicht 😉

Letztlich sind auch mit dem iPhone vie­le schö­ne Bilder gelun­gen. Perfekt wäre wohl eine klei­ne Systemkamera gewe­sen, z.B. die Sony Alpha 6000. Jetzt ver­ste­he ich end­lich, war­um Stephan Wiesner stän­dig mit dem Teil durch die Berge zieht. Hinterher ist man immer schlau­er.

Eine klei­ne Anekdote noch zum Schluss: Schwibs hat sei­ne kur­ze Hose auf der Willersalpe ver­ges­sen. Mittlerweile ist eine Woche ver­gan­gen. Er ist erneut nach Hinterstein gefah­ren und im Rekordtempo von 38min vom Parkplatz bis zur Willersalpe gesprin­tet, um die Hose abzu­ho­len.

Ende gut, alles gut. Und du hast tat­säch­lich bis zum Schluss gele­sen! Cool, dan­ke. Über Kommentare zu unse­rer Wanderung freu­en wir uns.

7 Kommentare

  1. Alex

    5. Februar 2017 Antworten

    Sehr schön geschrieben. Da steigt die Vorfreude auf meine Wandertour im Sommer :)

  2. Stephan

    20. April 2017 Antworten

    Nicht glauben, Ausprobieren! Wobei, manchmal darf man schon auf andere hören. RX100 statt der Nikon z.B. :-)

  3. MiroG

    20. April 2017 Antworten

    Super Tour. Super absolviert.
    Vor zwei Jahren war ich auch am Schrecksee. Einfach fantastisch.
    Das Prinz Luitpold Haus kenne ich auch.

  4. Münchnermadl

    29. Juni 2017 Antworten

    Hallo! Wir fahren morgen nach Hinterstein und wandern zur Willersalpe. Samstag wollen wir den gleichen weg wie ihr bis Höhe Schrecksee gehen. Dann aber zur Landsberger Hütte abbiegen. Eine Frage: habt ihr Bilder vom Wegabschnitt unterhalb des Rauhhorns? Das wird ja wohl die grösste Herausforderung werden.. Würdet ihr diesen Abschnitt bei Nässe empfehlen? Danke vorab!!

    • Thomas

      Thomas

      30. Juni 2017 Antworten

      Hallo,
      Bilder unterhalb des Rauhhorns habe ich leider nicht, bzw. ich kann sie nicht zuordnen. Unser "Reiseführer" Schwibs sagt aber: "Der ganze Weg ist leicht und auch bei Nässe gut zu begehen". Es geht im wesentlichen über Geröllfelder. Ich wünsche euch heute viel Spaß im Allgäu und hoffentlich gutes Wetter :-)

  5. Silvia und Hans

    5. August 2018 Antworten

    Hey, traumhaft der Schrecksee,. wie aus einem Fantasiefilm. Wir sahen ihn am Donnerstag. 3.8. zum ersten Mal. Wir sind von Hinterstein um kurz vor neun gestartet. Zur Wollersalpe, gleich weiter aufs Rauhhorn und nach einer Pause weiter zum Schreckseesee. Absolut mega anspruchsvolle Tour, aber echt super. 1300 Höhenmeter. Um fünf waren wir wieder in Hinterstein am Auto. Mit Kindern würde ich die Tour nie machen.

    • Thomas

      Thomas

      5. August 2018 Antworten

      Sehr sportlich ihr beiden! Ich hoffe ihr habt auch ein paar Fotos gemacht.
      Aber klar, die Kinder bleiben zuhause. Die Badewanne ist ja auch einer Art Schrecksee :-)

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