SLOW DOWN heißt die neue Ausgabe des Reisemagazins The Fernweh Collective. Für neun Euro acht­zig geht es auf 152 Seiten vor allem um eins: Die digi­ta­le Entgiftung. Den Verzicht auf Smartphones, Computer und Social-Media-Plattformen. Zurück zur Natur: zurück zu sich selbst.

»Offline is the new luxery«

Vor lau­ter Entschleunigung müss­te ich die­sen Blogbeitrag eigent­lich auf Papier schrei­ben, mich dabei am Shireet See in der Mongolei aalen und genüss­lich mei­nen Füller durchs Tintenfass zie­hen. Tatsächlich sit­ze ich doch wie­der am Rechner und schnup­pe­re hef­tig am frisch bedruck­ten Papier die­ser bezau­bern­den Ausgabe. Heute möch­te ich sie dir vor­stel­len. Aber Achtung: Das hier ist kei­ne Werbung, son­dern eine aus­drück­li­che Empfehlung!

Langsames Reisen und Digital Detox

»Im hal­ben Tempo um die Welt«, so ver­spricht es das Editorial des Independent Magazins aus Berlin. Die Themen sind bunt, frei und gut gestal­tet.

Ich über­flie­ge das Inhaltsverzeichnis. Ich lese das Inhaltsverzeichnis laaang­sam durch und ent­de­cke Orte, zu denen ich bis­her kei­ne visu­el­len Assoziationen auf­bau­en konn­te. Oder hast du dir Kasachstan so vor­ge­stellt?

The Fernweh Collective - Das ist Kasachstan

© The Fernweh Collective Vol. 6, Seite 58-59

Auf Anhieb könn­te ich nicht mal die Hauptstadt benen­nen. Du viel­leicht? Zum Glück sind wir nicht im Geografie-Unterricht.

Der Inhalt: The Fernweh Collective – Slow Down

Das Magazin lebt von den Geschichten hin­ter den Bildern und hat vie­le davon in pet­to:

Maudi und Eric rei­sen zwei Monate mit dem Fahrrad durch Oman. Sie hal­ten es für das Gewöhnlichste der Welt. Susann und Yannic bevor­zu­gen das Dachzelt! In Schottland keh­ren sie zu einem natür­li­chen Leben zurück, dass sie auch abseits ihrer Reisen in einem Siedlerhaus füh­ren.

Katch und Ben leben in ihrem Camper »The Tardis« und tin­geln damit quer durch die USA. Ein Mix aus klet­tern, foto­gra­fie­ren und viel Liebe. Nina hin­ge­gen liebt die kal­ten Regionen und berich­tet aus Finnland. Sie nimmt die Zügel selbst in die Hand und lenkt ihren Schlitten mit fünf Huskys über den eisi­gen Boden Lapplands. Abfrierende Ohrläpp­chen inklu­si­ve: dar­um heißt es ja auch Lappland 😉

Über Kasachstan haben wir bereits gespro­chen: natür­lich auch ein Teil des Magazins. Und wäh­rend du noch immer grü­belst, wie die Hauptstadt heißt (hier die Lösung), sind Julia und Lisa bereits am Rande ihrer Komfortzone. Mit dem Kanu auf dem Amazonas! Reguliert man die dor­ti­gen Temperaturen um 60 Grad nach unten, lan­det man bei Alina im win­ter­li­chen Kanada. Und wäh­rend die Merino-Schafe ihren Arsch geret­tet haben, rei­chen für uns Leser ein paar war­me Gedanken.

Blättert man wei­ter auf Seite 101, kom­men die »Horseback Adventure«. Christina rei­tet auf Fiestero durch Chile und ist dabei, sich dort eine neue Existenz auf­zu­bau­en. Shirani tum­melt sich unter­des­sen auf einem Berg in Sri Lanka; um ihren wan­dern­den Geist ein­zu­fan­gen. Sie ver­gleicht ihn mit einem glit­schi­gen Aal und schwebt auf einer ent­span­nen­den Meditationswelle.

Sie ist jetzt in Chickago. Und das ist kein Tippfehler! Madeleine berich­tet vom Alltag auf dem Bauernhof in Österreich. Almromantik. Warum nicht. Entschleunigung braucht kei­ne Weltreise. Franziska und Felix haben sich den­noch für den wei­ten Weg ent­schie­den. Sie sind nach Südafrika und die Mongolei gereist. »Ins Nirgendwo, bit­te.« In Island dann der Umstieg aufs Fahrrad, womit sich der Kreis zu den bei­den sym­pa­thi­schen Holländern Maudi und Eric aus dem ers­ten Beitrag schließt. Und wer noch immer nicht genug hat, reist auf Seite 138 mit Claudias Midsommar Vibes durch Schweden.

Eines ver­bin­det alle Artikel: Das Hier und Jetzt genie­ßen! Ohne stän­dig die Kamera oder das Smartphone zur Hand zu neh­men. Kreativität braucht Auszeiten.

The Fernweh Collective - Zitat aus der 6. Ausgabe "Slow down": Die besten Bilder sind die, die man nicht gemacht hat.

© The Fernweh Collective Vol. 6, Seite 30

Mein Fazit zur 6. Ausgabe

Wer ent­schleu­ni­gen will, soll­te mit dem Lesen die­ser bezau­bern­den Ausgabe begin­nen. Das Fernweh kommt von ganz allein.

Die neue Ausgabe SLOW DOWN über­zeugt – was aber nicht anders zu erwar­ten war – wenn man mit dem Fernweh-Collective-Virus infi­ziert ist. Trotz der »rosa­ro­ten Brille«, die Weltreisende mit ihrem semi­no­ma­di­schen Lebensstil oft pro­pa­gie­ren, ver­zich­tet das Magazin auf ver­kitsch­te Stilisierungen. Die Print-Ausgabe ist ein rea­lis­ti­scher Gegensatz zu den exzen­tri­schen Instagram-Fotos ande­rer Kanäle, wo stets die hip­pe Lichterkette am Campervan fun­kelt, wäh­rend ein ver­lieb­tes Pärchen den per­fek­ten Sonnenuntergang am Strand genießt.

The Fernweh Collective berich­tet nicht ein­sei­tig, son­dern zeigt auch die Schattenseiten des frei­en Reisens: Schimmlig wer­den­de Sachen nach tage­lan­gen Regenfällen, schmerz­haf­te Ekzeme zwi­schen den Füßen, einem ver­stauch­ten Knöchel am Loch Coruisk oder die Sehnsucht nach simp­len Kleinigkeiten, wie einer war­men Dusche oder einem eige­nen Nachttisch neben dem Bett.

Spannende Beiträge mit Authentizität, ver­packt in einem wun­der­schö­nen Design machen das Fernweh-Magazin so beson­ders. Es ver­zich­tet kon­se­quent auf Werbung, schiebt mone­tä­re Gedanken in den Hintergrund und fokus­siert sich auf das was heu­te sel­ten gewor­den ist: Inhalte.