«Wenn du bes­se­re Fotos haben möch­test, lau­fe im Kreis», sagt der Autor, Stephan Wiesner — und lies das Landschaftsfotografie Tutorial (Affiliate-Link) — sage ich. Nach dem ful­mi­nan­ten Start des gleich­na­mi­gen eBooks ist nun die Printversion beim mitp-Verlag erschie­nen. Ich habe es bestellt und gele­sen.

«Ich habe extra eine leuch­ten­de Jacke ange­zo­gen, begrüßt Thomas mich am Bahnhof lachend.» Eine leuch­ten­de Jacke tra­ge ich heu­te auch, sit­ze im Zug und errei­che gleich Halle (Saale) Hauptbahnhof. Ich bin aber nicht der Thomas aus Kapitel 33, möch­te euch das Buch aber trotz­dem emp­feh­len.

Wer sollte das Landschaftsfotografie Tutorial lesen?

Das Buch rich­tet sich in ers­ter Linie an Fotografie-Einsteiger. Es adres­siert aber auch Fortgeschrittene, die ihre Bilder inhalt­lich und tech­nisch ver­bes­sern wol­len.

Kein Bock raus­zu­ge­hen? Dann such dir ein ande­res Hobby

Stephan Wiesner pro­du­ziert seit Jahren unter­halt­sa­me und lehr­rei­che Beiträge rund um die Fotografie, auf sei­ner YouTube-Seite, in sei­nem Blog und auf Facebook. Dieses Buch ist eine gute Gelegenheit sei­ne Arbeit mit ein paar Euro zu unter­stüt­zen und ihm die Anerkennung zu geben, die er ver­dient hat.

Worum geht es in dem Buch?

Um Landschaftsfotografie? Ja, natür­lich. Aber vie­les kann auf ande­re Bereiche der Fotografie über­tra­gen wer­den. Grundlagen der Kamerabedienung (Blende, ISO, Verschlusszeit, Histogramm) wer­den genau­so ver­mit­telt wie Best Practices zur Bildkomposition (Drittel-Regel, füh­ren­de Linien, Tiefenwirkung).
Doch das Landschaftsfotografie Tutorial ist kein tro­cke­nes, theo­re­ti­sches Fachbuch. Es ist leben­dig und gibt vie­le Praxis-Tipps zur Umsetzung von «Zielfotos». Wie foto­gra­fiert man den Sonnenauf- und -unter­gang? Wie belich­tet man Schnee rich­tig? Wie erstellt man Panoramen? Wie gelin­gen Langzeitbelichtungen am Tag? Wie meis­tert man Nachtaufnahmen gekonnt? Stephan Wiesner gibt vie­le Einblicke in sei­nen Workflow und ver­weist auf nütz­li­che Tools und Informationsquellen.
Die 36 Kapitel, ja rich­tig: sechsund­rei­ßig, begin­nen meist mit einem per­sön­li­chen Erfahrungsbericht. Dadurch taucht man direkt in die jewei­li­ge Situation ein und merkt sehr schnell, dass Landschaftsfotografie einem Abenteuer glei­chen kann. Vor allem lie­fert das Buch eins: Motivation. Man möch­te sofort zur Kamera grei­fen und auch bei schlech­tem Wetter foto­gra­fie­ren gehen.

Nicht glau­ben, AUSPROBIEREN!

Dazu for­dert Stephan Wiesner expli­zit auf. Am Ende der Kapitel gibt er «Hausaufgaben» mit auf den Weg, die den Leser ermu­ti­gen, das Gelesene in die Praxis umzu­set­zen.

Stephan Wiesner und seine Frauengeschichten

Beim Landschaftsfotografie Tutorial geht es nicht nur um Fotos. Es geht auch um Frauen: die «Zielfrau» sozu­sa­gen. Kapitel 4 beginnt mit einem Date auf dem Uetliberg in Zürich. So roman­tisch hat er also sei­ne #won­der­wo­man ken­nen­ge­lernt, den­ke ich und lese wei­ter: «Aus der Beziehung ist dann aller­dings nichts gewor­den, wir haben uns nie wie­der­ge­se­hen». Schade. Im Verlaufe des Buches kom­men wei­te­re Frauengeschichten ins Spiel. Gedanklich set­ze ich den Hashtag #won­der­wo­men im Plural.

Was hat mir am Buch besonders gefallen?

  • Der Schreibstil des Autors, der das tro­cke­ne Wissen eines Fachbuches mit einem kurz­wei­li­gen Unterhaltungsbuch kom­bi­niert hat.
  • Die Konsequenz, dass das Buch nicht mit der not­wen­di­gen Kameraausrüstung beginnt, son­dern dem mit dem Ziel, bes­se­re Fotos zu machen.
  • Die Druckqualität und Wertigkeit des Papiers, was die 188 schö­nen Fotos anspre­chend prä­sen­tiert. Ja, ich habe sie wirk­lich gezählt, hof­fent­lich kor­rekt.
  • Dass die Techniken unab­hän­gig von einem Kameramodell oder Hersteller erklärt wer­den und damit für jeden nach­voll­zieh­bar sind.
  • Die Gastbeiträge, weil so auch die Community ihren Teil bei­steu­ern konn­te: Auch wenn mein ein­ge­reich­tes Foto zu wenig Likes bekom­men hat 😔.

Was hat mir weniger gefallen?

Jetzt kommt das Meckern auf hohem Niveau. Das Landschaftsfotografie Tutorial war ursprüng­lich ein eBook. In der elek­tro­ni­schen Version waren die vie­len Verlinkungen zu wei­te­ren Inhalten ein ech­ter Mehrwert: weil man sie direkt ankli­cken konn­te. In der Printversion stö­ren mich die vie­len Google-Links im Text. Ich hät­te sie mir als Fußnote gewünscht (sor­ry, ich bin Wissenschaftler), als Referenz im Anhang oder in Form eines klei­nen Barcodes.
Man merkt dem Buch pha­sen­wei­se an, dass es in sehr kur­zer Zeit geschrie­ben wur­de. Hier und da lau­ert noch der ein oder ande­re Rechtschreibfehler, der ver­meid­bar gewe­sen wäre. Auch die Anordnung der Bilder ist nicht immer nach­voll­zieh­bar. «Spürst du beim Betrachten der Überquerung eines Schmelzwasserflusses, wie du kal­te Füße bekommst?», lese ich auf Seite 65. Ich star­re eine Weile auf die zuge­hö­ri­ge Abbildung 6.24. Ich sehe das Eis und die Schuhe: spü­re und sehe aber kei­nen Fluss. Nach einer Minute gebe ich auf und blät­te­re um. Auf Seite 66 fin­de ich dann den besag­ten Schmelzwasserfluss, aller­dings in Abbildung 6.25. Über sol­che Verwirrungen bin ich häu­fi­ger gestol­pert. Alles Ansichtssache, im wahrs­ten Sinne des Wortes.

Was habe ich aus dem Buch mitgenommen?

Eine für mich wesent­li­che Erkenntnis:

Gib dei­nem Foto eine Unterschrift

Zu oft irre ich unko­or­di­niert durch die Gegend und drü­cke den Auslöser der Kamera, ohne mir vor­her Gedanken über die Bildaussage zu machen. Daran wer­de ich zukünf­tig arbei­ten. Geht es euch auch so? Gleiches gilt für die Planung von Zielfotos. «Häng sie dir an die Küchenwand», heißt es im Landschaftsfotografie Tutorial. Ich woh­ne im Dachgeschoss und habe kei­ne gera­de Küchenwand. Dafür aber ein wun­der­schö­nes, neu­es Notizbuch (Affiliate-Link). Ab sofort samm­le ich dort mei­ne Ideen und Konzepte. Weitere Erkenntnisse für mich:

  • Im Winter dau­ert der Sonnenaufgang län­ger als im Sommer
  • Google Earth hat eine Sonnenstandsanzeige
  • dofsimulator.net ist schö­ner als DOFMaster
  • Ich kau­fe mir ein Zelt

Fazit

Das Landschaftsfotografie Tutorial ist ein Buch der ande­ren Art und trifft den Nerv vie­ler Leser. Auf Amazon hat es 57 Bewertungen: 56 davon mit 5-Sternen. Beeindruckend. Mir fällt eine objek­ti­ve Kritik des Buches schwer. Ich beschäf­ti­ge mich seit vie­len Jahren inten­siv mit Fotografie und ken­ne bereits (fast) alle YouTube-Videos und Blogbeiträge von Stephan Wiesner. Die Mehrzahl der Bilder habe ich bereits in den sozia­len Netzwerken gese­hen. Der Lerneffekt aus dem Landschaftsfotografie Tutorial war für mich daher gering, aber die Neugier auch zu groß, um nicht auf die Lektüre zu ver­zich­ten. So weiß ich zumin­dest, dass bei Stephan der Blitz ein­schlägt, wenn Kristina sei­ne Cola aus­trinkt und die SwissQ-Tasse gra­tis zur Verfügung gestellt wur­de 😉.

Wenn du aber Einsteiger in die Fotografie bist, dei­ne Kamera aus dem Automatikmodus befrei­en möch­test und dei­ne Bilder nach­hal­tig ver­bes­sern willst: dann lies das Landschaftsfotografie Tutorial. Das Buch kos­tet 24,99 EUR, es lohnt sich! Auf der Webseite vom mitp-Verlag gibt es eine kos­ten­lo­se Leseprobe.

Wie ist dei­ne Meinung zum Buch? Hast du es bereits gele­sen?