Dateiformate für Fotos gibt es vie­le. Die Frage nach dem idea­len Format wird gern und häu­fig dis­ku­tiert. Aktuelle Kameras bie­ten die Speicherung im TIFF-, JPEG- oder RAW-Format an. Letzteres, da sind sich die meis­ten ambi­tio­nier­ten und pro­fes­sio­nel­len Fotografen einig, ist das Format der Wahl, wenn es um maxi­ma­le Kontrolle, Flexibilität und Qualität in der Nachbearbeitung geht.

Doch mit dem kon­ti­nu­ier­li­chen Anstieg der Kamera-Auflösungen wird ein regel­rech­ter Megapixel-Krieg geführt, um neue Kunden zu akqui­rie­ren. Nikon hat die D810 mit 36 Megapixeln im Programm, Sony zog mit 42 Megapixel bei der Alpha 7R II nach und Canon bie­tet mit der EOS 5DS sogar 50 Megapixel.  Damit stei­gen jedoch auch die Hardware-Anforderungen zur Verarbeitung und Speicherung der Daten.

Doch der Umgang mit den rie­si­gen RAW-Dateien, die häu­fig zwi­schen 60-80 MB pro Foto betra­gen, kann durch geeig­ne­te Kompressionsalgorithmen ver­ein­facht wer­den. Aber Moment? ‚Kompression‘ scheint doch auf den ers­ten Blick eher abwe­gig – gera­de die ver­lust­freie Speicherung der Kamerarohdaten ist ja der gro­ße Vorteil.

Dieser Beitrag soll zei­gen, dass mit dem DNG-Format eine nahe­zu ver­lust­freie Kompression um bis zu 75% mög­lich ist. Die Dateigröße liegt dabei sogar unter dem JPEG-Format, bei deut­lich gestei­ger­ter Qualität.

Das DNG-Format

Proprietäre Rohdatenformate (eng­lisch Raw) gibt es in der Fotografie vie­le. Als Anwender erkennt man sie an ihren Dateiendungen.

Format Dateiendung
Nikon Electronic Format *.NEF
Canon RAW Image File *.CR2
Sony RAW Image *.SR2

Die Dateiformate unter­schei­den sich jedoch inhalt­lich. Ihre Spezifikationen sind in der Regel nicht öffent­lich doku­men­tiert. Mit dem Erscheinen eines neu­en Kameramodells sind damit auch Aktualisierungen der Bildverarbeitungssoftware not­wen­dig. Langfristig besteht die Gefahr, dass heu­te aktu­el­le RAW-Dateiformate in eini­gen Jahren nicht mehr unter­stützt wer­den und die wert­vol­len Bilder nicht mehr les­bar sind.

Dem gegen­über steht das Digitale Negativ (DNG) von Adobe. Es wur­de mit dem Anspruch ent­wi­ckelt ein offe­nes Archivformat für Kamera-Rohdaten als Standard zu eta­blie­ren. Das DNG-Format ist eine Erweiterung des TIFF 6.0 Formats und kom­pa­ti­bel zum TIFF-EP Standard. Die DNG-Spezifikation in der aktu­el­len Version 1.4 ist öffent­lich ein­seh­bar und wird von vie­len Softwareanwendungen wie Adobe Photoshop und Lightroom unter­stützt. Zunehmend bie­ten auch vie­le Hersteller DNG-kompatible Digitalkameras an.

Zur Umwandlung bestehen­der pro­prie­tä­rer RAW-Daten gibt es den kos­ten­lo­sen Adobe DNG Converter für Windows und Mac OS. In Adobe Lightroom ist der Konverter bereits im Menüeintrag „Bibliothek“ unter der Option „Foto in DNG kon­ver­tie­ren…“ inte­griert.

dateiformate_lightroom_foto_in_dng_konvertieren

Hier kön­nen diver­se Einstellungen getrof­fen wer­den. Zum Beispiel, dass die ori­gi­na­le RAW-Datei nach der Umwandlung direkt gelöscht wird oder bereits JPEG-Vorschauen inter­griert wer­den. Besonders inter­es­sant ist die Option „ver­lust­rei­che Komprimierung ver­wen­den“, die nach­fol­gen­den vor­ge­stellt wird.

Die verlustbehaftete DNG-Kompression

Mit der Version 1.4 des DNG-Format wur­de im Jahr 2012 die Lossy JPEG Kompression ein­ge­führt. Technische Details zur Kompression gibt es lei­der nur weni­ge. In einem Artikel von dpreview.com wur­de der Lightroom Produktmanager Tom Hogarty inter­viewt und sag­te:

[quo­te]Lossy DNG allows some­thing in-between Raw and JPEG in terms of size but reta­ins the fle­xi­bi­li­ty in terms of adjus­ting White Balance and pre­ser­ving detail. It’s based on stan­dard JPEG com­pres­si­on. What’s lost is some of the ran­ge of the adjust­ments you can make – if a file is four or five stops under­ex­po­sed, you’ll find it’s not qui­te as fle­xi­ble as the full file. You can still do a lot, though and it’s only in extre­me case that you might noti­ce.[/quote]

Den Qualitätsunterschied zwi­schen DNG und dem pro­prie­tä­ren RAW-Bild aus der Kamera hat Jeffrey Friedl in sei­nem Blog und auch Gunther Wegner in sei­nem Video sehr gut dar­ge­stellt. Doch schau­en wir uns das gan­ze noch­mal an einem Beispielbild an.

DNG-Kompression am Beispiel

Zur Bewertung der Bildqualität nut­zen wir ein Referenzfoto, auf­ge­nom­men mit der Nikon D800 und dem AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G Objektiv bei Blende f4.0, ISO 200 und einer Verschlusszeit von 1/320 sec. Bei star­kem Gegenlicht wur­de es so foto­gra­fiert, dass die Häuser kor­rekt belich­tet sind. Der Himmel ist dadurch über­be­lich­tet.

dateiformate_JPG

 

Qualitätsunterschiede zwi­schen JPEG und RAW-Datei sieht man erst in der Bildbearbeitung. Daher wur­de im Beispielbild fol­gen­den Bearbeitungsschritte im RAW-Converter vor­ge­nom­men.

  • Belichtung: -4 Blendenstufen
  • Lichter: -100%
  • Tiefen: +100%

Die Bildqualität

Im ers­ten Schritt betrach­ten wir das Bild in der 100%-Ansicht. Die lin­ke Seite ent­spricht dem unkom­pro­mier­ten NEF, die rech­te Seite der ver­lust­be­haf­tet kom­pri­mier­ten DNG-Datei.

Mit blo­ßen Auge ist es schwer hier über­haupt einen Unterschied aus­zu­ma­chen. Erst bei 200% Vergrößerung erkennt man leich­te Tonwertabrisse und Artefakte, ins­be­son­de­re rund um die Seile der Brücke.

Zwischen der kom­pri­mier­ten DNG-Datei und dem JPEG-Bild lie­gen jedoch deut­lich sicht­ba­re Unterschiede. Und dies bereits in der 100%-Ansicht. Die lin­ke Seite zeigt die JPEG-Datei, die rech­te Seite die ver­lust­be­haf­tet kom­pri­mier­te DNG-Datei.

Die Dateigröße

Relevante Unterschiede gibt es ins­be­son­de­re bei den Dateigrößen. Klar, dar­um wur­de ja Kompression erfun­den. Die fol­gen­de Abbildung zeigt den Speicherbedarf des Beispielfotos in unter­schied­li­chen Formaten und Kompressionsstufen.

dateiformate_groessen

Vergleich man die unkom­pri­mier­ten Rohdatenformate, so fällt auf, dass die unkom­pro­mier­te DNG-Datei rund 48% klei­ner ist als die pro­prie­tä­re NEF-Datei. Die ver­lust­reich kom­pri­mier­te DNG ist sogar fast 7x klei­ner als die unkom­pri­mier­te NEF-Datei.

Am meis­ten beein­druckt aber, dass die DNG-Datei sogar rund 18% klei­ner als die JPEG-Datei ist! Dennoch ist die DNG-Datei im Vergleich zum JPEG qua­li­ta­tiv deut­lich hoch­wer­ti­ger und bie­tet alle Optionen der klas­si­schen RAW-Entwicklung.

Geschwindigkeit beim Erstellen von 1:1-Vorschauen

Wer hasst es nicht: das ewi­ge Warten in Adobe Lightroom oder Bridge bis die 1:1 Vorschauen der RAW-Bilder erzeugt sind. Zwar gibt es soft­ware­sei­ti­ge Alternativen, wie den FastRawViewer, den­noch arbei­ten die meis­ten Fotografen mit Lightroom oder Bridge.

Die schlech­te Nachrichtig vor­weg. Auch im kom­pri­mier­ten DNG-Format geht die Erzeugung der 1:1-Vorschauen nicht schnell genug. Nachfolgenden wur­den die 1:1-Vorschauen von 100 Bildern einer Nikon D800 (36 Megapixel) in Adobe Lightroom CC erstellt.

Datei Dauer
NEF 07:40 min
DNG 06:19 min

Die 1:1-Vorschaugenerierung im DNG-Format mit ver­lust­rei­cher Kompression war 17% schnel­ler als im pro­prie­tä­ren NEF-Format. Immerhin.

Geschwindigkeit beim Kopieren

Daten sind das Gold der heu­ti­gen Zeit. Sie soll­ten regel­mä­ßig gesi­chert wer­den. Dies trifft vor allem für Fotos zu, denn ein Festplattenschaden wür­de einen trau­ri­gen Verlust visuell-belegbarer Erinnerung bedeu­ten. Trotz SSD und schnel­len USB 3.0-Verbindungen bedeu­tet Datensicherung vor allem eines: Geduld.

An die­ser Stelle machen sich die klei­ne­ren Dateigrößen des kom­pri­mier­ten DNG-Formats beson­ders posi­tiv bemerk­bar. Nachfolgend wur­den 500 Fotos von der inter­nen Festplatte eines Apple iMac auf eine exter­ne USB 3.0 Festplatte kopiert:

Typ Dauer
NEF 21,68 sec
DNG 5,61 sec

Bei einer Komplettsicherung aller Bilder eines Jahres oder der gesam­ten Bibliothek ist der Unterschiedlich deut­lich spür­bar.

Mit der Nutzung von Cloud-Diensten wird die­ses Thema noch dra­ma­ti­scher. Die Upload-Geschwindigkeit aktu­el­ler Internetverbindungen sind noch immer mit lan­gen Wartezeiten ver­bun­den sind. Hier bedeu­tet eine Minimierung der Dateigröße um ¼ eini­ge Stunden Uploadzeitreduktion. Zeit, in der die Leitung ansons­ten blo­ckiert wäre.

Fazit

Das DNG-Format setzt auf Langfristigkeit und ver­spricht eine zukunfts­si­che­re Basis für Archivierungen zu sein. Die Vorteile der DNG-Kompression lie­gen auf der Hand:

  • Kleiner Dateigröße
  • Schnellere Verarbeitung
  • Kapazitäts- und Kosteneinsparung für Festplattenspeicher
  • Beschleunigung der Datensicherung

Wer sei­ne Bilder nicht gera­de im Din A0 aus­dru­cken möch­te oder sie als Pixel-Peeper kri­tisch in der 200%-Ansicht betrach­tet, wird kei­ne Qualitätsverluste fest­stel­len.

Für das Posten der Bildern auf Facebook, 500px, Flickr oder Instagram  macht dies ohne­hin kei­nen Unterschied.

Abgesehen von SSD-Festplatten sind die Kosten für Speicherplatz in der heu­ti­gen Zeit zwar fast zu ver­nach­läs­si­gen. Dennoch sam­meln sich bei mir als Hobbyfotograf rund 30.000 Bilder pro Jahr. Dies ent­spricht etwa 1.200 GB NEF-Dateien, die sich mit der DNG-Kompression auf rund 250 GB ver­klei­nern las­sen. Über die Jahre führt dies zu einer beacht­li­chen Einsparung. Gerade auf Reisen siche­re ich mei­ne Fotos auf mei­nem MacBook, des­sen inter­ne SSD mit 250 GB limi­tiert ist und ledig­lich 80 GB frei­en Speicherplatz für Fotos auf­weist. Im kom­pri­mier­ten DNG-Format kann ich pro­blem­los alle Bilder der Reise sichern, ohne eine zusätz­li­che exter­ne Festplatte mit­neh­men zu müs­sen.

Tipp: Ich nut­ze die DNG-Kompression vor allem zur Archivierung mei­ner Bilder. Alle Bilder mit ver­lust­be­haf­te­ter Kompression tra­gen bei mir die Dateiendung *.dng. Für beson­de­re Aufnahmen, die ich in maxi­ma­ler Qualität spei­chern möch­te, ver­wen­de ich das DNG-Format ohne Komprimierung und kenn­zeich­ne sie durch die Dateiendung *.DNG. So behält man stets den Überblick.

Doch wie seht ihr das?

Welche Dateiformate ver­wen­det ihr für Eure Fotos?

Nutzt ihr die DNG-Kompression?

Findet ihr sie sinn­voll oder ver­tre­tet ihr eher den Standpunkt, dass Speicherplatz heut­zu­ta­ge nichts mehr kos­tet und damit Kompression ein eher bedeu­tungs­lo­ses Thema ist?